Schwarz Digits bringt europäisches Souveränitäts-Siegel
Mit dem European Sovereign Stack Standard soll digitale Souveränität messbar werden.tete_escape – shutterstock.com
Beim Einkaufen haben wir uns an Siegel wie das Tierwohl-Label oder den Nutri-Score als Lebensmittelampel gewöhnt, um Nahrungsmittel auf einen Blick bewerten zu können. Genau dies will Schwarz Digits, die Digitalsparte der Schwarz Gruppe, nun auch für IT-Services realisieren: Auf einen Blick sollen Entscheider künftig erkennen können, ob ein angebotener Dienst wirklich digital souverän ist.
Gerade der Begriff Digitale Souveränität entwickelte sich in letzter Zeit immer mehr zum nebulösen Schlagwort. Eine Ursache dafür ist, dass immer mehr außereuropäische, vor allem US-amerikanische Anbieter mit sogenannten Sovereign-Angeboten auf den Markt drängen.
Durchblick im Souveränitäts-Dschungel
In dieses Souveränitäts-Chaos will Schwarz Digits nun mit dem European Sovereign Stack Standard (ES³) Ordnung bringen. Das Framework basiert auf neun Domänen: Die acht Domänen des EU Cloud Frameworks, ergänzt um den Faktor Künstliche Intelligenz (KI). Diese werden wiederum anhand von über 100 Kriterien bewertet. „Wir überführen den Bedarf an digitaler Souveränität in messbare Standards“, erklärt Rolf Schumann, Co-CEO von Schwarz Digits.
Daraus entsteht dann als Herzstück der Initiative ein vierstufiges Reifegrad-Modell, das IT-Services in Bezug auf ihre digitale Autonomie in folgende Kategorien einteilt:
Basic,
Initial,
Advanced,
Future-Proof.
Geprüfte Souveränität
Futur Proof markiert dabei die Spitze der digitalen Autonomie. Diese Stufe bietet das höchste Maß an Transparenz und Kontrolle. Vor allem Anwender aus hochsensiblen Bereichen wie dem Public- oder Verteidigungssektor dürften sich dafür entscheiden.
Keine vollständige Autonomie offeriert der Level Advanced. Aber es besteht immerhin eine strategische Wahlfreiheit und für kritische Dienste sind alternative Bezugsquellen vorhanden. Ein Vendor Lock-in wird also vermieden. Oder anders formuliert, wie es erst kürzlich Bernd Wagner, CSO von Schwarz Digits, im CW-Interview postulierte: „Der Anwender kann vom Verhandlungstisch aufstehen“.
Verifiziertes Modell
Am unteren Ende der Skala, bei Basic, befindet sich der Anwender dagegen noch in einer starken Abhängigkeit vom jeweiligen IT-Provider. Souveränität ist hier noch kein prägendes Merkmal des Dienstes, und der Nutzer hat kaum Kontrolle über die zugrunde liegenden Prozesse oder Datenflüsse.
Um den Verdacht zu entkräften, dass es sich bei dem Souveränitäts-Siegel nur um geschicktes Marketing handeln könnte, ging Schwarz Digits eine Kooperation mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO AG ein. Als unabhängige Instanz hat BDO das dem Standard zugrunde liegende Modell verifiziert. So betont Parwäz Rafiqpoor, Vorstandsvorsitzender der BDO AG, dass das Modell eine „praxisnahe Basis zur Stärkung digitaler Souveränität“ biete und klare, regulierungsrelevante Entscheidungsgrundlagen schaffe.
Das Ökosystem dahinter
Dabei soll der Standard mehr als nur ein Prüfsiegel sein. Er ist der Grundstein für ein wachsendes Ökosystem. Über ein spezielles Presales-Tool wird zunächst der Souveränitäts-Reifegrad eines Unternehmens ermittelt, woraufhin der STACKIT, der Cloud-Anbieter von Schwarz Digits, maßgeschneiderte Empfehlungen ausspricht.
IT-Lösungen von Technologie-Partnern, die über die Cloud der STACKIT verfügbar sind, werden nach dem ES³-Standard klassifiziert. Sie erhalten dann sogenannte Souveränitäts-Badges, was laut CSO Wagner ihre Visibilität im Markt erhöhe. Gleichzeitig profitierten die Kunden so von einem Ökosystem aus Partnern, deren Services nach nachvollziehbaren Souveränitäts-Kriterien geprüft seien.
Langfristig will Schwarz Digits sein Reifegradmodell als einen Industriestandard für die EU etablieren.
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