Nutanix setzt auf einheitliche Plattform
width="1024" height="576" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px">Mit der Vorstellung eines einheitlichen Betriebsmodells für Cloud und On-Premises knüpfte Nutanix-CEO Rajiv Ramiswami an das Motto der NEXT. 2025, „Run Anything, Anywhere”, an.Nutanix
Auf seiner jährlichen .NEXT-Konferenz, die vom 7. bis 9. April im McCormick Place in Chicago stattfand, präsentierte Nutanix die nächste Entwicklungsstufe seiner Cloud-Plattform mit Ankündigungen zu
KI-Infrastruktur,
Kubernetes-Deployments,
Hardware-Erweiterungen und
Werkzeugen für Dienstanbieter.
Das übergreifende Thema „One Platform, One Experience, Only Nutanix” erweiterte dabei das Vorjahresmotto „Run Anything, Anywhere”. Während die Botschaft im Jahr 2025 die Workload-Flexibilität herausstellte, ergänzt die Positionierung im Jahr 2026 die Plattformvollständigkeit: ein einheitliches Betriebsmodell für virtuelle Maschinen, Container, GPU-dichte KI-Infrastruktur und Cloud-Umgebungen – unabhängig davon, wo diese Workloads physisch ausgeführt werden.
Dass Nutanix mit dieser Strategie nicht ganz falsch liegt, belegen die rund 5.000 Konferenzteilnehmer, darunter laut Gastgeber über 20 Prozent Interessenten, die noch keine Nutanix-Kunden sind.
Nutanix goes Hybrid-Cloud-Plattform
In seiner Keynote beschrieb CEO Rajiv Ramaswami die Entwicklung des Unternehmens vom Anbieter einer hyperkonvergenten Infrastruktur hin zu einer breiteren Hybrid-Cloud-Plattform. Er verwies dabei auf die Nachfrage nach Agentic-AI-Anwendungen und die Notwendigkeit einer Infrastruktur, die Open-Source-Komponenten sicher integriert.
Um hier weiter voranzukommen, plant Nutanix für Sommer 2026 die Veröffentlichung eines KI-Katalogs sowie Entwicklungs-Tools, darunter Vektordatenbanken und MLOps-Funktionen. Außerdem gab Ramaswami bekannt, dass die Plattform nun virtuelle Maschinen, Container und Bare-Metal-Bereitstellungen mit Optimierungen für den AHV-Hypervisor und das Flow-Netzwerk unterstützt.
Im Kontext von GPU-as-a-Service- und Kubernetes-as-a-Service-Angeboten wurden außerdem Partnerschaften mit NVIDIA und AMD erwähnt. Zudem kündigte Nutanix weitere Allianzen mit Cisco, NetApp und Lenovo an, darunter die zertifizierte Unterstützung für Cisco-UCS-Server und externe Speicher-Arrays.
Zu den Kundenbeispielen gehörten:
Tire Rack, das mit einem kleinen Team eine One-Click-Lifecycle-Plattform betreibt, sowie
Wynn Resorts aus Las Vegas, das eine vollständige Migration von VMware zu Nutanix an Standorten in Boston, London und den Vereinigten Arabischen Emiraten abgeschlossen hat.
Ramaswami betonte die Unterstützung für externe Speicher und die Flexibilität für Organisationen, die bestehende Hardware-Investitionen weiter nutzen möchten.
Nutanix Agentic AI und die Neocloud
Erstmals auf der GTC-Konferenz von NVIDIA öffentlich gezeigt, stand Nutanix Agentic AI auch auf der .NEXT-Konferenz im Rampenlicht. Die Plattform abstrahiert GPU-Ressourcen und stellt ein KI-Gateway zu großen Sprachmodellen bereit. Dadurch ist es Unternehmen möglich, agentische Workflows auszuführen, ohne die Hardware- und Modellschicht direkt verwalten zu müssen.
Auf der .NEXT wurden zudem erweiterte Funktionalitäten, um Multi-Mandanten-Fähigkeiten für Neoclouds zu realisieren. Dabei handelt es sich um KI-native Cloud-Anbieter, die GPU-dichte Infrastruktur betreiben und typischerweise mehr Flexibilität und geringere Latenz als Hyperscaler bieten. Über die Nutanix-Plattform können Neocloud-Anbieter künftig einen strukturierten Dienstkatalog bereitstellen, der von GPU-as-a-Service bis hin zu Models-as-a-Service reicht – und dies über gemeinsam mit Mandanten genutzte, physische Ressourcen.
Die Model-as-a-Service-Komponente ist besonders konkret. Sie ermöglicht es Neocloud-Betreibern, einzelne, validierte große Sprachmodelle als diskrete Dienstangebote bereitzustellen – mit optimierter GPU-Speicherverwaltung pro Modell, Leistungsüberwachung und Tracking des Token-Verbrauchs. Die Fähigkeit, die Token-Generierung zu überwachen und zu begrenzen, adressiert eine Sorge, die viele Unternehmen in der Praxis beschäftigt: unerwartete Kostensteigerungen durch unkontrollierten KI-Einsatz.
Die damit verbundene Governance-Herausforderung beschrieb Nutanix Chief AI Officer Debo Dutta folgendermaßen: „Agentische Systeme erzeugen Agenten, die Token in großem Maßstab verbrauchen. Daher benötigen Unternehmen Schutzmaßnahmen, bevor sie diese vertrauensvoll einsetzen können. Das KI-Gateway der Plattform übernimmt semantisches Routing und Lastverteilung über Modelle hinweg und limitiert die Tokens pro Nutzer, um exzessive Kosten zu vermeiden.“
Bare Metal Kubernetes und die Dual-Native-Architektur
Im Rahmen der Modernisierungsankündigungen stellte Nutanix auch NKP Metal vor – eine Erweiterung seiner Nutanix Kubernetes Platform (NKP), die die Kubernetes-Orchestrierung direkt auf Bare-Metal-Server ohne Hypervisor-Schicht bringt. Das Unternehmen bezeichnet sich als einzigen Anbieter einer echten Dual-Native-Architektur: Container laufen entweder innerhalb virtueller Maschinen oder direkt auf Bare Metal mit identischer Verwaltungsoberfläche, Sicherheitsrichtlinien und Datendiensten in beiden Umgebungen.
In einem Presse-Briefing zog dieses Statement allerdings eine direkte Frage nach sich: Kann die Sicherheit von Bare-Metal-Containern wirklich mit der Isolation einer Hypervisor-Schicht mithalten? Die Antwort blieb offen. Festzuhalten ist, dass Container in VMs vor allem aus Gründen der operativen Effizienz laufen, nämlich Ressourcenüberzeichnung, OS-Abstraktion und Entwickleragilität. Die Parität ergibt sich aus der Ausdehnung von Mikrosegmentierung und konsistente Netzwerkrichtlinien auf Bare-Metal-Kubernetes.
Ein praktischer Einsatzfall für Bare Metal NKP ist laut Nutanix der Edge. Soll das Einsatzszenario kosten-, energie- und platzsensibel sein, ist ein Hypervisor-Overhead kaum gerechtfertigt. NKP Metal zielt auf diese Fälle ab und bietet dabei „Follow-me Security“ – Richtlinien, die dem Container vom Netzwerkrand über den Core bis in die Public Cloud folgen.
Der Nutanix Database Service (NDB) auf Containern ist zudem in die Early-Access-Phase eingetreten – ein Meilenstein von Project Beacon, der dreijährigen Initiative, beliebige Workloads überall in der Hybrid Cloud zu betreiben. Anstatt Nutanix als HCI-Ersatz zu positionieren, wird es als Plattform für den gesamten Workload-Lebenszyklus vermarktet.
Hardware-Erweiterungen, Sovereign Cloud und Supply-Chain-Resilienz
Die dritte Ankündigungssäule umfasst Operational Resilience und Scale, deckte somit also den breitesten Bereich ab. Ein wiederkehrendes Thema ist hier das Management von Lieferkettenrisiken. Durch die Unterstützung einer breiteren Hardware-Palette gewinnen Kunden an Flexibilität, wenn bestimmte Server- oder Storage-Plattformen aufgrund von Verfügbarkeits- oder Lieferzeitproblemen nur eingeschränkt verfügbar sind.
Im Bereich Storage erweitert Nutanix dazu die Compute-Only-Node-Unterstützung auf NetApp, Everpure FlashArray //C sowie Dell PowerStore in Early Access. Für bestehende Three-Tier-Storage-Kunden eröffnet sich dadurch ein Weg zum Nutanix-Betriebsmodell, ohne dass sie ihre vorhandenen Storage-Investitionen austauschen müssen.
Zudem wird erstmals auch Cisco FlexPod unterstützt, eine gemeinsam entwickelte Referenzarchitektur aus Nutanix, NetApp-Speicher und Cisco-Netzwerktechnik. Damit entsteht für Cisco-Kunden ein direkter Integrationspfad zu Nutanix. Schon seit Jahren pflegen NetApp und Cisco eine enge Beziehung, zu der jetzt Nutanix dazustößt. Die Kompatibilitätsliste wurde außerdem um AMD-GPU- und Edge-Systeme sowie Lenovo-ThinkSystem-Speicher ergänzt.
Auf Cloud-Seite gibt es Unterstützung für die AWS European Sovereign Cloud sowie für Google-Cloud-C3-Instanzen mit Hyperdisk-Block-Speicher. Das Interessante daran: Da Nutanix-Lizenzen vollständig portabel sind, können sie bei den derzeit akuten Hardware-Lieferengpässen in die Public Cloud verlagert werden. Und natürlich zurück in die On-Premises-Umgebung gezogen werden, wenn die Hardware tatsächlich ankommt. Im Moment kann das drei bis acht Monate dauern, weil der riesige Bedarf bei KI und das geopolitische Umfeld Server und andere Hardware zur Mangelware machen.
Als weitere Neuerung in diesem Zusammenhang steht die Datensicherheitslösung Nutanix Data Lens nun auch in einer On-Premises-Variante ohne SaaS-Abhängigkeit zur Verfügung. Dies ist entscheidend für souveräne Cloud-Deployments, bei denen eine externe SaaS-Infrastruktur aus regulatorischen Gründen nicht zulässig ist.
Wettbewerb mit Broadcom
Die Ankündigungen fallen in ein günstiges Zeitfenster. Broadcoms Übernahme von VMware und die darauffolgende Umstrukturierung von Lizenzen sowie die deftigen Preiserhöhungen haben bei einer Vielzahl von Enterprise-Kunden die Suche nach Alternativen ausgelöst. Von dieser Situation profitiert neben Red Hat, Verge OS und Proxmox vor allem Nutanix. Auf der Veranstaltung in Chicago beschrieben mehrere Partner dasselbe Muster: Zunächst wechselten schnell einige Kunden von VMware zu Nutanix und jetzt folge eine größere zweite Welle, die sich noch in der Evaluierung befindet.
CEO Rajiv Ramaswami sprach in diesem Zusammenhang von rund 160.000 potenziellen Broadcom-Displacement-Accounts – eine Zahl, die das Wachstumsziel des Unternehmens in den mittleren bis oberen zweistelligen Bereich treibt. Dem erschütterten Vertrauen vieler enttäuschter VMware-Nutzer stellte er dabei einen Net Promoter Score (NPS) von über 90 entgegen – über einen Zeitraum von neun aufeinanderfolgenden Jahren.
Ob die Nutanix-Strategie der einheitlichen Plattform eine dauerhafte Marktposition trägt, hängt von der Ausführung über eine breite Angebotsfläche ab. KI-Services, Kubernetes, Hardware-Integrationen, Sovereign Cloud und Tools für Serviceanbieter sind jeweils eigenständige Wettbewerbsfelder.
Das Ökosystem mit 105 Sponsoren und der 20-prozentige Anteil an Interessenten auf der .NEXT signalisieren, dass diese Chance real ist. Sie spiegeln wider, wie aktiv Enterprise-IT-Käufer ihre Infrastruktur-Stacks neu bewerten – eine Dynamik, die durch die Übernahme von VMware durch Broadcom beschleunigt wurde. Die Konvertierung in reale Kundenszenarien bleibt jedoch eine langfristige Aufgabe. (mb)
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