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USB wird 30 – eine Zeitreise

Wer hätte vor 30 Jahren geahnt, welche Erfolgsstory der Universal Serial Bus einmal schreiben wird? Skrypnykov Dmytro | shutterstock.com



Das World Wide Web steckte noch in den Kinderschuhen und Windows 3.1 wurde über Disketten gestartet, als sich Ajay Bhatt, ein indisch-amerikanischer Informatiker, mit seinen Teamkollegen bei Intel erstmals mit einem einheitlichen Standard für Peripherie-Geräte beschäftigte. Für seine Erfindungen, die auch den AGP-Port und PC-Express umfassen, wird er heute wie ein Rockstar gefeiert, denn ohne ihn wären Computer weiterhin Anschluss-Wirrwarr-Maschinen.



Jeder Hersteller hatte vor 30 Jahren eigene Schnittstellen, serielle und parallele Stecker wie PS/2 für Maus (grün) und Tastatur (lila) sowie Dutzende teilweise proprietäre Stecker für Drucker, Scanner, Monitore, Diskettenlaufwerke oder Modems. Wer ein neues Gerät anschließen wollte, brauchte das passende Kabel für sein Motherboard, viel Geduld bei der Installation – und mitunter auch Glück mit Betriebssystem und Treibern. „Plug and Play“ gab es nicht, und der Anschluss eines neuen Gerätes setzte fast immer einen Neustart voraus.



Zwei weitreichende Entscheidungen



Anfang der 1990er Jahre stellte Ajay Bhatt das USB-Konzept zahlreichen Tech-Unternehmen wie HP, IBM, Packard Bell und Apple vor. Allerdings zeigte niemand Interesse. Nur der Chip- und Motherboard-Hersteller Intel erkannte das Potenzial eines einheitlichen seriellen Standards und entschied sich, das Konzept von Bhatt zu finanzieren und weiterzuentwickeln.



Doch kaum war die Machbarkeit eines universellen, seriellen Anschlusses belegt, folgte eine zweite, maßgebende Entscheidung Intels: Anstatt auch diese neue Schnittstelle proprietär zu gestalten und damit an das Unternehmen zu binden, entschied man sich, alle Informationen und Entwicklungsergebnisse mit anderen Herstellern zu teilen und Universal Serial Bus als offenen Standard zu etablieren. Alle Hersteller erhielten umfassenden Zugang zu Informationen und handfeste Unterstützung bei der Implementierung von USB. Zudem wurde das „USB Implementers Forum“ wurde aus der Taufe gehoben. 



Vor diesem Hintergrund schlossen sich nun schnell andere Tech-Konzerne der Idee eines gemeinsamen USB-Standards an und verabschiedeten am 19. Januar 1996 die ersten Spezifikationen. Der Universal Serial Bus 1.0 war geboren. Fortan wurde USB von den damals größten Hard- und Software-Unternehmen vorangetrieben. Mit Hilfe von Unternehmen wie Intel, Microsoft, IBM, NEC und Compaq sollte USB vor allem eines leisten: die Vielzahl inkompatibler Schnittstellen ersetzen und den Anschluss externer Geräte für jedermann vereinfachen.


width="1024" height="576" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px">Das Original der ersten USB-Spezifikation vom 19. Januar 1996 mit den Unterschriften aller Väter des Standards.Tillmann Braun



Daten gut, Strom böse



In der ursprünglichen Konzeption von USB lag der Fokus nur auf der Datenübertragung. USB 1.0 bot Übertragungsraten von bis zu 1,5 Mbit/s – völlig ausreichend für Peripherie-Geräte wie Mäuse, Tastaturen, Laufwerke, Scanner oder Drucker. Die Stromversorgung dieser Geräte spielte keine Rolle. Im Gegenteil: Die Vorstellung, dass Peripherie-Geräte aktiv Energie vom Host-System beziehen könnten, wurde kritisiert. Solche „Stromsauger“ galten als  potenzielles Risiko für Stabilität und Sicherheit.



Doch die Praxis entwickelte sich schneller als die Theorie. Bereits mit USB 1.1 (1998) und vor allem mit USB 2.0 (2000) wurde die Schnittstelle omnipräsent. USB 2.0 brachte mit 480 Mbit/s einen massiven Geschwindigkeitssprung und ebnete den Weg für externe Festplatten, Digitalkameras und später USB-Sticks. Schleichend setzte sich auch die Spannungsversorgung durch: Geräte wurden nicht nur verbunden, sondern auch direkt mit Strom versorgt.



Im Jahr 2022 erklärte die Europäische Union dann USB-C zum universellen Ladestandard für unzählige Geräte. Seit Dezember 2024 müssen alle in der EU verkauften Mobilgeräte wie Smartphones USB-C als Ladebuchse verwenden. Ab dem 28. April 2026 ist zudem vorgeschrieben, dass alle in der EU verkauften Laptops über USB-C geladen werden können und die Schnellladefunktion „USB Power Delivery“ unterstützen.



Der Durchbruch – und ein legendärer Fehlstart



Ein entscheidender Meilenstein für den Erfolg von USB war die Integration in Betriebssysteme, insbesondere durch Microsoft. Als Bill Gates 1998 auf der Comdex die neue USB-Unterstützung von Windows 98 demonstrieren wollte, kam es zu einer der berühmtesten Technikpannen der Geschichte: Beim Anschließen eines USB-Scanners folgte der Bluescreen of Death (BSOD). Das Publikum reagierte mit Gelächter, Gates mit trockenem Humor.



Für Chris Capossela, der damals als verantwortlicher Microsoft-Produktmanager mit seinem Chef Bill Gates auf der Bühne stand, war dieser Bluescreen eine Tragödie. Doch anstatt ihn zu feuern, stärkte Microsoft seinen Rücken und vermenschlichte den Fehlstart in brillanter Weise.









Und was damals wie ein Rückschlag wirkte, war in Wahrheit Teil eines Lernprozesses. Die Idee hinter USB – Geräte im laufenden Betrieb ohne Neustart oder manuelle Konfiguration anschließen zu können – war revolutionär. „Hot Plug and Play“ wurde in den folgenden Jahren zur Realität und schließlich selbstverständlich.



Apple – vom Saulus zum Paulus



Einen weiteren entscheidenden Schub erhielt USB durch Apple. Mit dem 1998 erschienenen iMac strich das Unternehmen konsequent alle anderen Schnittstellen und setzte vollständig auf das neue USB. Diese radikale Entscheidung zwang die Branche zum Umdenken. Zubehörhersteller mussten sich anpassen und USB etablierte sich als universelle Schnittstelle im Massenmarkt.



Während viele Hersteller begannen, den Micro-USB-Stecker zu adaptieren, stellte Apple mit dem iPhone 5 (2012) den beliebten Lightning-Konnektor als einen eigenen, proprietären Steckertyp am USB-Kabel vor. Nach Druck der EU setzte schließlich auch Apple mit dem iPhone 15 (2023) auf den USB-C Anschluss und sparte im Gegenzug millionenfach das Netzteil ein.     









Vom Datenkabel zur Stromquelle



Mit der Zeit verschob sich die Bedeutung von USB deutlich. Während anfangs die Datenübertragung im Mittelpunkt stand, entwickelte sich USB zunehmend zur Stromquelle. Mit der Einführung von USB 3.0 (2008) und später USB Power Delivery wurde die Energieübertragung massiv ausgebaut. Heute sind Leistungen von bis zu 240 Watt möglich – genug, um Laptops, Monitore oder sogar kleinere Haushaltsgeräte zu betreiben.



Diese Entwicklung markiert einen Paradigmenwechsel: USB ist längst nicht mehr nur eine Datenschnittstelle, sondern ein universelles Energie- und Verbindungssystem. Smartphones, Tablets, Kopfhörer und eine Vielzahl anderer Geräte werden heute primär über USB geladen – oft unabhängig davon, ob überhaupt Daten übertragen werden.



Ein weiterer Meilenstein war die Einführung von USB-C im Jahr 2014. Der neue Stecker ist beidseitig einsteckbar, kompakt und leistungsfähig. Er vereint Datenübertragung, Stromversorgung und unterstützt sogar Videoausgabe in einem Anschluss. Damit wurde die Vision eines universellen Ports greifbar.



Vom Chaos zur universellen Lösung 



Technologisch hat sich USB stetig weiterentwickelt: die Spezifikationen von USB 3.1, 3.2 und USB 4 bieten heute Übertragungsraten von bis zu 80 Gbit/s und mehr. Gleichzeitig hat die zunehmende Komplexität auch für Verwirrung gesorgt. Unterschiedliche Bezeichnungen, Kabeltypen und Leistungsprofile wie beispielsweise Thunderbolt vs. USB-C machen es selbst für Fachleute nicht immer einfach, den Überblick zu behalten.



Trotz dieses „Namenschaos“ bleibt der Erfolg von USB ungebrochen. Kein anderer kabelgebundener Standard ist so weit verbreitet. Milliarden Geräte weltweit nutzen USB – sei es zur Datenübertragung, zur Stromversorgung oder für beides.



In einer zunehmend kabellosen Welt wirkt das fast paradox. Technologien wie Wi-Fi und Bluetooth haben enorm an Bedeutung gewonnen, doch USB ist trotzdem allgegenwärtig. Während Funkverbindungen Komfort bieten, bleibt USB die zuverlässige, schnelle und energieeffiziente Basis – insbesondere dann, wenn es auf Stabilität und Leistung ankommt.



30 Jahre nach seiner Einführung hat USB sein ursprüngliches Ziel weit übertroffen. Aus einer Initiative zur Vereinfachung von PC-Anschlüssen ist ein globaler Standard geworden, der nahezu alle Bereiche der digitalen Technik durchdringt. Und damit diese Erfolgsgeschichte auch die nächsten 30 Jahre weitergeht, engagiert sich die USB Alliance für eine stetige Weiterentwicklung des Standards und einheitlichen Logos für Kabel und Produkte. Außerdem kooperiert sie mit der EU, um den Kunden den Umgang mit USB weiter zu vereinfachen.  



Die Geschichte von USB ist auch eine Geschichte technologischer Evolution: von vorsichtigen Anfängen über spektakuläre Pannen bis hin zur dominierenden Schnittstelle unserer Zeit. Dass heute Milliarden Geräte über denselben Anschluss geladen und verbunden werden können, wäre Mitte der 1990er-Jahre kaum vorstellbar gewesen. Und vielleicht liegt genau darin der größte Erfolg von USB: Der Standard ist so selbstverständlich geworden, dass seine eigentliche Leistung kaum noch auffällt. (mb)