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Sofort deinstallieren: Diese Apps spionieren Sie aus

Ken stocker/Shutterstock.com



Inzwischen scheint es Apps für nahezu jede Funktionalität zu geben. Doch viele Apps verlangen umfangreiche Berechtigungen, die nicht immer gerechtfertigt erscheinen. Ein Taschenlampen-Tool braucht zum Beispiel keinen Zugriff auf Ihr Mikrofon (und wenn doch, sollten Sie misstrauisch werden). Im Hintergrund laufen dabei oft unsichtbare Werbetracker, die Ihr Verhalten protokollieren, Daten bündeln und an Dritte verkaufen.



Wir zeigen Ihnen, welche Apps besonders problematisch sind und wie Sie auf Android und iPhone gezielt prüfen, welche Berechtigungen Sie bereits erteilt haben.



Vorsicht: Diese Apps sammeln heimlich Ihre Daten



1. Taschenlampen-Apps



Ihr Smartphone hat bereits eine eingebaute Taschenlampenfunktion. Warum also zusätzliche Apps herunterladen? Viele Blitzlicht-Apps erweisen sich als regelrechte Datenschleudern, die weit über das hinausgehen, was ihre Funktion erfordern würde. Einige fordern Berechtigungen wie Zugriff auf Ihre Kontakte, Ihr Mikrofon oder sogar Ihren dauerhaften Standort. Schon merkwürdig, wenn es eigentlich nur darum geht, ein Blitzlicht zu erzeugen.



Da moderne Smartphones die Taschenlampenfunktion ohnehin standardmäßig bieten, raten wir dringend dazu, Taschenlampen-Apps von Drittanbietern zu löschen.



Hinweis: Das betrifft auch Apps für andere Funktionalitäten, die bereits von Haus aus auf Ihrem Handy verfügbar sind. Beispielsweise brauchen Sie keine Drittanbieter-Kamera-App, wenn Sie die vorinstallierte Kamera-App Ihres Handyherstellers nutzen können.



2. Lifestyle- und Gesundheits-Apps



Apps zur Schlafanalyse, zum Schrittezählen oder zur Kalorienerfassung mögen praktisch wirken, fordern aber viel zu oft Berechtigungen, die mit ihrer eigentlichen Funktion nichts zu tun haben. Neben dem naheliegenden Standortzugriff, oft rund um die Uhr, verlangen viele dieser Apps auch Zugriff auf Ihr Mikrofon, Ihre Fotos oder sogar Ihre Kontakte. Einen technischen Grund dafür gibt es nicht, wohl aber einen wirtschaftlichen.


Achtung bei Fitness-Apps: Wenn diese Zugriff auf ungerechtfertigte Funktionen wie Fotos oder Mikrofon verlangen, besser löschen.oasisamuel / shutterstock.com



Besonders heikel: Gesundheitsbezogene Daten gehören laut DSGVO zu den besonders schützenswerten Datenkategorien. Dennoch verkaufen viele Fitness-App-Anbieter aggregierte Nutzerprofile an Versicherungen, Pharmaunternehmen oder Arbeitgeber-Plattformen. Möglich wird das, weil manche Anbieter die Erlaubnis zur Datenweitergabe einfach in der Datenschutzerklärung verankern. Wer dann beim ersten App-Start auf “Akzeptieren” tippt, stimmt damit zu, ohne es zu merken.



Wie weit das reichen kann, zeigte 2020 ein Recherche-Skandal des US-Magazins Vice: Das US-Militär kaufte über Datenhändler Standortdaten aus vermeintlich harmlosen Smartphone-Apps, darunter Muslim Pro, eine Gebetszeiten-App mit fast 100 Millionen Downloads weltweit.



3. Navigations-Apps



Bekannte Anwendungen wie Google Maps benötigen Ihren Standort, um genaue Wegbeschreibungen zu liefern. Das ist legitim und technisch notwendig. Das Problem liegt woanders: Viele dieser Dienste speichern Ihren vollständigen Standortverlauf dauerhaft und werten ihn aus. Werbetreibende können so detaillierte Bewegungsprofile kaufen, beispielsweise wann Sie das Haus verlassen, welche Supermärkte Sie besuchen oder wie oft Sie einen bestimmten Arzt aufsuchen.



Besonders riskant sind GPS-Navigations-Apps unbekannter Anbieter. Hier wird der Standortzugriff häufig direkt an Datenbrokerfirmen weitergegeben, die Ihre Bewegungsdaten mit anderen Datenpunkten verknüpfen und weiterverkaufen.



Löschen Sie Ihren Google-Maps-Standortverlauf daher regelmäßig und deaktivieren Sie die Zeitachsen-Funktion vollständig, wenn Sie diese nicht nutzen. Eine datenschutzfreundliche Alternative zu Google Maps und Co. ist die Open-Source-App OsmAnd, die sogar offline funktioniert.



4. Shopping-Apps



Shopping-Riesen wie SHEIN oder Amazon stehen schon länger im Verdacht, deutlich mehr Berechtigungen einzufordern als nötig. Kennen Sie dieses Phänomen, wenn Ihnen im Internet Produkte angezeigt werden, über die Sie kurz zuvor beiläufig gesprochen haben? Zufall ist das ganz bestimmt nicht.



Offiziell streiten alle großen Anbieter ab, das Mikrofon für gezielte Werbung zu nutzen. Allerdings reicht schon die Kombination aus Standortdaten, Suchanfragen und Kaufhistorie, um erstaunlich treffsichere Vorhersagen über Ihre Wünsche zu treffen. Prüfen Sie daher, welche Shopping-Apps Sie wirklich brauchen, oder noch besser: Shoppen Sie am Computer.



5. Wetter-Apps



Wetter-Apps gehören zu den häufigsten Übeltätern, wenn es um das Platzieren von Werbetrackern geht. Der Standortzugriff ergibt auf den ersten Blick Sinn – schließlich soll die App das lokale Wetter anzeigen. Doch viele dieser Apps fordern darüber hinaus Zugriff auf Ihre Kontakte, Fotos oder die Gerätekamera. Eine inhaltliche Begründung dafür gibt es nicht. Der wirtschaftliche Grund: Je mehr Berechtigungen eine App einsammelt, desto wertvoller ist das Nutzerprofil, das sie an Werbepartner verkauft.



Dass das kein theoretisches Problem ist, zeigen gleich zwei handfeste Fälle. The Weather Channel (mit Dutzenden Millionen aktiver Nutzern eine der bekanntesten Wetter-Apps der Welt) sammelte minutengenaue Standortdaten seiner Nutzer rund um die Uhr – auch wenn die App geschlossen war – und verkaufte diese an Dritte, ohne die Nutzer klar darüber zu informieren. Nach einer Klage und jahrelangem Rechtsstreit endete der Fall 2023 mit einem Vergleich.



Noch konkreter traf es deutsche Nutzer mit der App “Wetter Online”, die mit über 100 Millionen Downloads eine der meistgenutzten Wetter-Apps im deutschsprachigen Raum ist: Im Rahmen der Databroker-Files-Recherche tauchte Wetter Online in einem Datensatz eines US-Datenhändlers auf. Allein an einem einzigen Tag in Deutschland wurden über 34.000 Nutzer der App geortet, teils auf unter einen Meter genau.



Die Datenschutzbeauftragte Nordrhein-Westfalens schritt daraufhin ein und stellte fest, dass das Unternehmen Standortdaten ohne wirksame Einwilligung weitergab. Erst nach der Intervention der Behörde änderte Wetter Online seine Datenschutzpraxis.



Die gute Nachricht: Sie brauchen keine Wetter-App von Drittanbietern. Die meisten Smartphones haben von Haus aus eine Wetterfunktion integriert, die genauso zuverlässig ist wie die Daten von Drittanbieter-Apps – ganz ohne zusätzliche Berechtigungen.



So prüfen Sie die Berechtigungen Ihrer Apps



Nachdem nun klar ist, welche App-Kategorien besonders problematisch sind, sollten Sie die Berechtigungen auf Ihrem Smartphone gezielt unter die Lupe nehmen. Sowohl Android als auch iOS bieten dafür übersichtliche Menüs:



Android: Öffnen Sie die Einstellungen und tippen Sie auf “Apps”. Wählen Sie eine App aus und tippen Sie auf „Berechtigungen”. Hier sehen Sie auf einen Blick, auf welche Bereiche die App zugreifen darf und auf welche nicht. Zudem können Sie einzelne Berechtigungen direkt deaktivieren.


App-Berechtigungen in Android prüfen: Einstellungen > Apps > Berechtigungen.PC-Welt



iPhone (iOS): Navigieren Sie zu Einstellungen > Datenschutz & Sicherheit. Dort sind alle Berechtigungskategorien aufgelistet wie Standort, Mikrofon, Kamera oder Kontakte. Tippen Sie auf eine Kategorie, um zu sehen, welche Apps Zugriff haben, und passen Sie die Einstellungen bei Bedarf an. Einzelne App-Berechtigungen lassen sich auch direkt über Einstellungen > Apps > [App-Name] aufrufen.



Als generelle Faustregel gilt: Erteilen Sie einer App nur die Berechtigungen, die sie für ihre Kernfunktion tatsächlich benötigt. Der Standortzugriff sollte möglichst nur auf “bei Nutzung der App” beschränkt sein und niemals dauerhaft im Hintergrund. Mikrofon, Kamera und Kontakte sollten Sie nur freigeben, wenn Sie die jeweilige Funktion innerhalb der App aktiv nutzen. Und bei Apps, die Berechtigungen einfordern, die mit ihrer Funktion rein gar nichts zu tun haben: löschen, ohne zu zögern.



(PC-Welt)