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Nach misslungenem Tinder-Date: Hamburgerin flieht bei Treffen

Er nennt sich Timo (alle Namen geändert), ist angeblich 33 Jahre alt und Abteilungsleiter in einem Lüneburger Betrieb. Der Mann, den Dorothee über di…

Fakten

  • Der Mann, den Dorothee über die Dating-App Tinder kennengelernt hat, gibt sich in den ersten Chats locker und unkompliziert.
  • Schnell tauschen beide Handynummern aus, schreiben sich dann weiter über WhatsApp, schicken sich Sprachnachrichten und verabreden sich zu einem ersten Treffen in Lüneburg.
  • Es ist die Suche nach schnellen Bekanntschaften, Freundschaften und vielleicht auch der Beziehung fürs Leben: Dating-Apps gehören in Deutschland längst zum Lebensalltag vieler Menschen.
  • Millionen Männer und Frauen sind regelmäßig in entsprechenden Foren unterwegs, vor allem jüngere Generationen.
  • Das öffnet Tür und Tor für eine missbräuchliche Nutzung, und auch sie sei sich der Gefahren bewusst, die diese Art des Kennenlernens mit sich bringt.
  • Die 31-Jährige nennt bei einem Austausch nie ihren Arbeitsplatz und schon gar nicht die private Adresse.
  • Timo aus Lüneburg sieht zunächst alles harmlos aus. Er schickt lässige Fotos aus seinem Cabrio und dem Fitnessstudio.
  • Sein Profil bei Tinder ist mit einem blauen Haken verifiziert, er hat sich also über ein Fotoverfahren identifiziert.
  • Doch es ist keine absolute Sicherheit, das muss auch Dorothee letztlich feststellen.
  • Sie chatten stundenlang, jede freie Minute, Hunderte Nachrichten in wenigen Tagen.
  • Er klingt vernünftig, abgeklärt. Doch im Nachhinein war eben das schon verdächtig, sagt Dorothee: Timo scheint quasi immer am Handy zu sein.
  • Wenn sie schreibt, antwortet er stets innerhalb weniger Sekunden.
  • „Das war nicht normal“, sagt die Hamburgerin rückblickend.
  • Der Tag des ersten Dates in Lüneburg. Dorothee plant, nach der Arbeit mit dem Metronom anzureisen.
  • Doch als sie im Zug sitzt, wird der WhatsApp-Austausch anders, der Tonfall von Timo verändert sich.
  • Und seine Nachrichten werden drängender.
  • Er hat ihr eine Adresse unweit des Lüneburger Bahnhofs genannt.
  • „Geh vom Bahnhof zunächst einfach den Leuten hinterher“, fordert er sich auf.
  • Und als sie nicht sofort antwortet: „Verstehst nicht?“ Von da an habe sie ein merkwürdiges Bauchgefühl gehabt, sagt Dorothee.
  • Google Maps führt sie zu einem zurückgesetzten Mehrfamilienhaus, über einen Hinterhof und einen versteckten Parkplatz.
  • Sie kennt Timos Nachnamen nicht, deswegen will sie ihn anrufen, als sie an der Eingangstür steht.
  • Doch plötzlich ist sein Mobiltelefon ausgeschaltet und nicht nur das: Bei WhatsApp hat er Dorothee plötzlich gesperrt, sein Profilbild ist verschwunden.
  • Die 31-Jährige verharrt kurz in Schockstarre, als jemand plötzlich laut und aggressiv ihren Namen ruft.
  • „Das kam irgendwo aus dem Haus“, schildert sie.
  • Aus dem schlechten Bauchgefühl wird Angst „und dann bin ich nur noch gerannt“. Zurück zum Bahnhof, in den Zug. Die Panikattacke kommt, als der Metronom losfährt.
  • Eine Situation, die sie nicht kennt.
  • Sie sei eigentlich eine selbstbewusste, moderne Frau, die fest im Leben steht, sagt die Notarangestellte.
  • Doch am nächsten Morgen muss sie sich zusammenreißen, um die Wohnung zu verlassen und sich auf den Weg ins Büro zu machen.
  • „Menschen um mich herum machen mich gerade nervös“, schildert sie ihren Gemütszustand.
  • Im Bus schaut sie sich ständig um, „ob da jemand ist“. Der Vorfall habe ihr „einen Knacks gegeben“, muss sich die 31-Jährige eingestehen.
  • Ihre Kommunikation auf Tinder hat Timo offenbar gelöscht, er scheint dort nicht mehr auffindbar.
  • Am nächsten Vormittag ruft Dorothee die Polizei in Lüneburg an.
  • „Ich weiß nicht, ob das alles übertrieben ist, aber ich würde gerne andere Frauen warnen vor diesem Mann und dieser Adresse“, sagt sie.
  • Das Gespräch dauert nur eine knappe Minute, der Beamte sieht keine Straftat.
  • Es ist ja nichts passiert“, erklärt er.
  • Nach erster Bewertung sei das strafrechtlich richtig, sagt Lüneburgs Polizeisprecher Kai Richter, der sich die Erstinformationen aufgrund der Nachfrage notiert hat und diese zur Prüfung intern weitergibt.
  • Ergänzend bittet er die Hamburgerin, den Vorfall noch einmal persönlich oder über das Online-Portal der Polizei anzuzeigen.
  • „Dann ist es hier aktenkundig, das könnte noch mal im Rahmen anderer Ermittlungen nützlich sein“. Meldungen über Vorfälle in Zeiten des virtuellen Kennenlernens gehen bei der Polizei regelmäßig ein.
  • Eine Sicherheit gibt es da einfach nicht. Ein Fake-Profil samt Foto zu erstellen, ist in der heutigen Zeit einfach“, sagt der Polizeisprecher.
  • So wie womöglich auch im Fall Timo.
  • Der Mann, der drei Tage lang sein Mobiltelefon offenbar fast nie aus der Hand legte, ist nicht erreichbar.
  • Dieser Artikel erschien erst in der „Landeszeitung für die Lüneburger Heide“ – Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland.