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4 On-Prem-Lösungen für Digitale Souveränität

loading="lazy" width="400px">Eine On-Premises-Infrastruktur bringt alle IT-Ressourcen – Netzwerk, Rechenleistung und Daten – in die Kontrolle des Unternehmens.Gorodenkoff – shutterstock.com



Frankreich sorgte kürzlich für Schlagzeilen, als es ankündigte, Microsoft Teams und Zoom in Behörden durch die in Frankreich entwickelte Visio-Plattform zu ersetzen. Zuvor hatte bereits das österreichische Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus Teams abgelehnt und sich stattdessen für eine Open-Source-Kollaborationssuite entschieden, die auf den eigenen Servern des Ministeriums läuft.



Ein wichtiger Faktor, der beiden Entscheidungen zugrunde liegt, ist die digitale Souveränität. Insbesondere in Europa verlangen Gesetze und Vorschriften von Organisationen eine strenge Kontrolle. Nicht nur über Daten, sondern auch über die Anwendungen und die Infrastruktur, mit denen diese verarbeitet werden.



Auch geopolitische Faktoren spielen hier eine Rolle. In Österreich etwa kam das Ministerium zu dem Schluss, dass Teams ein inakzeptables Risiko darstelle, da die US-Regierung potenziell von Microsoft die Herausgabe von Kommunikationsdaten verlangen könnte.



„Wenn eine Sicherheitsbehörde aus den USA einen US-Anbieter zwingen will, Daten herauszugeben, dann müssen diese der Forderung nachkommen“, erklärte Florian Zinnagl, CISO des Ministeriums, gegenüber Computerworld.



On-Premises als Kontrollmaßnahme



Während sich ein Großteil der Diskussion um digitale Souveränität auf Cloud-basierte Dienste mit strengen Datenschutzanforderungen konzentriert, liegt für einige Unternehmen die Lösung in einer On-Premises-Infrastruktur. Diese Strategie bringt alle IT-Ressourcen – Netzwerk, Rechenleistung und Daten – in die Kontrolle des Unternehmens.



„Souveräne lokale Lösungen sind sinnvoll, wenn Unternehmen nicht nur den Speicherort der Daten kontrollieren müssen, sondern auch, wer die Ausführung, die Richtlinien und die KI-Entscheidungsfindung innerhalb einer bestimmten Gerichtsbarkeit regelt“, erklärt Stephanie Walter, Practice Lead AI Stack bei HyperFRAME Research.



Hyperscaler könnten zwar die Anforderungen an den Speicherort erfüllen, behielten jedoch in der Regel die Kontrolle über die Steuerungsebene. Gerade bei KI sei das kritisch, so Walter: „Wenn Sie Prompts und Daten in ein großes Sprachmodell einspeisen – wem gehören dann diese Daten? In stark regulierten Branchen ist genau das oft der entscheidende Punkt.“



Die KI-Spezialistin bevorzugt Ansätze, die Souveränität als ein Architekturproblem über den gesamten Stack hinweg behandeln und nicht als eine aufgesetzte Compliance-Funktion. Hier stächen aus ihrer Sicht Fortinet und Versa Networks sowie IBM auf Infrastrukturebene hervor.



Bei der Auswahl entsprechender Lösungen sollten Unternehmen laut Walter vor allem auf Transparenz bei Modellverhalten, Datenherkunft, Inferenzprozessen und Zugriffskontrollen achten. „Wenn ein Unternehmen KI-Operationen innerhalb seiner eigenen Jurisdiktion nicht unabhängig prüfen oder steuern kann, ist die Lösung nur dem Namen nach souverän.“



4 Sovereign-Computing-Optionen



Vor diesem Hintergrund finden Sie nachfolgend eine Übersicht über die lokalen Sovereign-Computing-Angebote von vier Anbietern: Cisco, IBM, Fortinet und Versa Networks.




Cisco




Cisco hat im September 2025 sein Sovereign-Critical-Infrastructure-Portfolio auf den Markt gebracht. „Um den Bedürfnissen europäischer Kunden nach mehr Kontrolle und Autonomie über ihre digitale Infrastruktur und ihre Daten gerecht zu werden“, so der Anbieter.



Das Portfolio umfasst die Kernproduktlinien von Cisco, darunter Routing, Switching, Wireless, Collaboration und ausgewählte Endgeräte sowie Sicherheitslösungen von Cisco und Splunk. Nicht enthalten ist das Cisco Unified Computing System (UCS), die integrierte Datacenter-Plattform des Unternehmens.



Die Produkte aus dem Sovereign-Critical Infrastructure-Portfolio laufen unter einer speziellen Lizenz in Air-Gapped-Umgebungen beim Kunden vor Ort. Sie sind also physisch von externen Netzwerken, einschließlich dem Internet, isoliert. Daher kann Cisco keine Verbindung zu den Systemen herstellen.



„Wir sind nicht in der Lage, Produkte aus der Ferne zu deaktivieren. Die Kontrolle liegt vollständig in den Händen der Kunden“, erklärt Cisco.



Die Lösung adressiert eine Reihe von Sicherheits- und Datenschutzfragen, darunter die Kontrolle über Verschlüsselungsschlüssel, ein Hauptanliegen der souveränen Datenverarbeitung. Sie geht auch auf die Bedenken des österreichischen CISO ein, dass ein US-Unternehmen einseitig Daten abrufen könnte.



Allerdings müssen Kunden im Gegenzug Softwareupdates und Sicherheits-Patches selbst einspielen, da Cisco keine Verbindung zu den Systemen herstellen kann.



„Operative Resilienz ist für Unternehmen entscheidend, die zusätzliche Kontrollen, Schutzmaßnahmen und Autonomie durch echte digitale Souveränität erreichen wollen“, erklärt Rahiel Nasir, Research Director bei IDC Europe & Lead Analyst, Worldwide Digital Sovereignty. „Das gilt insbesondere für die Netzwerksouveränität – eine Herausforderung, die bisher nur wenige Anbieter mit entsprechenden Lösungen bewältigen konnten.“



Cisco gibt an, dass sein Angebot „den wichtigsten grundlegenden Zertifizierungen und Standards der EU und der einzelnen Länder“ entspricht. Das Unternehmen arbeitet nach eigener Aussage zudem an der neuen Cybersecurity Certification (EUCC), einem einheitlichen EU-Sicherheitsstandard für IT-Produkte und -Dienstleistungen.




IBM




Im Januar 2026 kündigte IBM seine Softwareplattform Sovereign Core an. Big Blue betrachtet das Thema zunehmend unter dem KI-Aspekt, wodurch die Souveränitätsdiskussion über den ursprünglichen Fokus auf die Datenresidenz hinaus erweitert wird.



Für echte KI-Souveränität müsse laut IBM geklärt sein,




wer die Plattform betreibt und unter welcher Autorität;



wo KI-Modelle ausgeführt werden und wie die Inferenz geregelt wird;



wer administrativen Zugriff besitzt; und



wie Compliance kontinuierlich nachgewiesen werden kann.




Im Gegensatz zu Ciscos lizenzorientiertem Ansatz fordert IBM eine grundlegende architektonische Veränderung: „Souveränität muss eine inhärente Eigenschaft der Plattform selbst sein und nicht eine vertragliche Zusage oder eine Variante beim Deployment“, heißt es seitens Big Blue.



Der von IBM vertretene Ansatz basiert auf drei Prinzipien. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Souveränität eine Fähigkeit der Plattform selbst sein muss – und nachweisbar sein sollte.



„Mit IBM Sovereign Core wird Souveränität architektonisch durchgesetzt, nicht vertraglich“, erklärt IBM. Die Lösung basiert auf sogenannten „transparenten Technologien“ wie Red Hat OpenShift. Sovereign Core läuft ebenfalls in einer Air-Gapped-Umgebung, die zwar wie ein SaaS-Dienst funktioniert, aber vollständig unter der Kontrolle des Kunden steht.



Außerdem betont IBM, dass Identitäten, Encryption Keys, Logs, Telemetriedaten und Audit-Nachweise vollständig innerhalb der souveränen Umgebung bleiben. Compliance-Funktionen seien direkt in die Software integriert, sodass Unternehmen regulatorisch verwertbare Nachweise auf Abruf erstellen könnten – ohne manuelle, auditgetriebene Prozesse.



Das zweite Prinzip lautet, dass KI-Souveränität eine zentrale Systemeigenschaft ist. Der Ansatz ermöglicht es Organisationen, CPU- und GPU-Cluster sowie genehmigte offene oder proprietäre Modelle bereitzustellen – gesteuert über kontrollierte Gateways.



„KI-Inferenz und agentenbasierte Anwendungen laufen lokal, ohne Daten oder Telemetrie an externe Anbieter zu übertragen“, erklärt IBM. Betriebsaktivitäten würden kontinuierlich überwacht und protokolliert, wodurch eine klare Audit-Spur für KI-Systeme in regulierten Bereichen entstehe.



Das dritte Prinzip zielt darauf ab, Souveränität für Geschwindigkeit und Skalierung operationalisierbar zu machen. Eine zentrale, vom Kunden betriebene Steuerungsebene ermöglicht es laut IBM, tausende Rechenkerne und hunderte Knoten mit unterschiedlichen Souveränitätsanforderungen zentral zu betreiben. Eine automatisierte Konfiguration stellt Identitätsmanagement, Sicherheit und Compliance sicher, während Self-Service-Provisioning für CPU-, GPU-, VM- und KI-Inferenzumgebungen das Deployment vereinfacht.




Fortinet




Auch Anbieter von Secure Access Service Edge (SASE) beschäftigen sich zunehmend mit digitaler Souveränität. Aus gutem Grund, wie Walter von HyperFRAME Research bemerkt. Souveräne SASE-Lösungen könnten Unternehmen dabei helfen, den Zugriff zu kontrollieren, Richtlinien zu verwalten und Sicherheitsgrenzen durchzusetzen.



Ohne eine souveräne Infrastruktur im Hintergrund haben Unternehmen jedoch immer noch keine Kontrolle darüber, wie Workloads tatsächlich ausgeführt werden.



„Echte Souveränität bedeutet, die Kontrolle über die Kontrollebene zu haben, insbesondere bei KI“, erklärt Walter. Unternehmen müssten sich überlegen, wer Richtlinien definiert, Modelle verwaltet, Verhalten überprüft und die operative Transparenz kontrolliert.



Fortinet hat sein souveränes SASE-Angebot bereits im August 2024 angekündigt. FortiSASE Sovereign ist eine schlüsselfertige, private SASE-Lösung, mit der Unternehmen einen maßgeschneiderten SASE-Service in einer Private Cloud oder On-Premises anbieten können. Die Nutzer behalten dabei laut Fortinet die volle Kontrolle über alle SASE-Funktionen, die Architektur und das Deployment.



Um den Anforderungen an die Datenhoheit gerecht zu werden, stellt die Lösung von Fortinet sicher, dass Daten innerhalb der vom Nutzer festgelegten, geografischen Regionen gespeichert werden. Zudem bietet sie detaillierte Zugriffskontroll- und Identitätsmanagement-Protokolle sowie eine regionale Verwaltung von Encryption Keys, um einen unbefugten Zugriff zu verhindern. Wie bei IBM umfasst auch FortiSASE Sovereign kontinuierliche Überwachungs- und Audit-Mechanismen.




Versa




Im Februar 2025 stellte auch Versa eine souveräne Version seines SASE-Dienstes vor. Versa Sovereign SASE soll es Unternehmen ermöglichen, die Plattform VersaONE Universal SASE auf ihrer eigenen Infrastruktur und in ihren eigenen Netzwerken flexibel bereitzustellen.



„Mit Versa Sovereign SASE erhalten Unternehmen alle Vorteile von VersaONE Universal SASE und haben gleichzeitig die vollständige Kontrolle über Design, Implementierung und Betrieb“, wirbt das Unternehmen. So könnten Unternehmen unter anderem Datenflüsse, Zugriffsrichtlinien und Benutzeraktivitäten auch in Air-Gapped-Bereitstellungen vollständig kontrollieren. Funktionen wie konfigurierbares Geofencing und Sprachlokalisierung helfen Kunden laut Versa dabei, Souveränitäts- und Compliance-Anforderungen zu erfüllen.



Die Lösung baut auf einer Partnerschaft mit Lumen aus dem Jahr 2024 auf. Dabei wird die Versa-SASE-Plattform entweder auf dedizierten Gateways an globalen Standorten von Lumen oder direkt On-Premises bei den Kunden betrieben. (mb)