Russland: Prunk und Prasserei in Moskau sorgen für Ärger in der Provinz
„Die Wirtschaft muss wirtschaftlich sein.“ Mit diesem etwas unbeholfenen, gedoppelten Satz wollte Leonid Breschnew – Generalsekretär des Zentralkomit…
Hier finden Sie den kompletten Artikel:
Fakten
- Die Wirtschaft muss wirtschaftlich sein.
- Leonid Breschnew sagte im Jahr 1981, dass sich eine starre Planwirtschaft allein durch Sparen auf Trab bringen ließe.
- Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin kündigte an, 15 Prozent der Stellen in der städtischen Verwaltung abbauen zu wollen.
- Die Hauptstadt Moskau soll in Kriegszeiten überflüssige Ausgaben in verantwortungsvoller Weise kürzen.
- Der Rationalisierungsschritt sieht rigoroser aus, als er ist.
- Die offiziell beim Bürgermeisteramt Beschäftigten machen nur einen kleinen Teil der Belegschaft aus.
- Unermüdliche Kampagnen für die Verwaltung und für den Bürgermeister persönlich sind ein wichtiger Teil des Rationalisierungsschritts.
- Das Wort „Gehwegplatten-Exzess“ ist in Russland zu einem politischen Kampfbegriff geworden.
- Sobjanin ordnete die Bauarbeiten für die Erneuerung von Gehwegen an, die 2011 begannen.
- Die ganze Stadt neu gepflastert zu sein scheint, aber viele Einwohner haben das Gefühl, dass manche Straßen fast jährlich wieder aufgerissen werden müssen.
- Ein Stadtfestival in Moskau gibt es nicht nur zur Pfannkuchenwoche, sondern auch zum Kreis des Lichts und zum Shine Bachata Festival.
- Moskau ist das Herz der russischen Elite und die Stadt mit der größten Mittelschicht.
- Die hohen Ausgaben für Infrastruktur und Sauberkeit sollen den Schein der Normalität wahren.
- Die westlichen Sanktionen haben in Moskau keine Auswirkungen.
- Viele Regionen in der Russischen Föderation kämpfen mit Budgetkürzungen oder müssen Geld für die Unterstützung von Mobilisierten sammeln.
- Das führt zu dem Vorwurf, dass die Hauptstadt in einer „Blase der Ignoranz“ lebt.
- Teile der maroden Infrastruktur kollabierten während des Winters.
- Sobjanin hat nun erkannt, dass es seinem Image nicht gerade zuträglich ist, allzu protzig aufzutreten, während andere Regionen darben müssen.
- Der Stellenabbau in der Moskauer Kommunalverwaltung soll ein brillanter Schachzug sein.
- Die Verwaltung setzt seit Sobjanin 2010 auf Outsourcing.
- Jede Abteilung hat eine bescheidene Anzahl von Amtsträgern, die jedoch mit einem riesigen Netzwerk von vertraglich gebundenen gemeinnützigen Organisationen und privaten Unternehmen zusammenarbeiten.
- Die Führungspositionen sind aber in der Regel mit Beamten des öffentlichen Dienstes besetzt.
- Diese erhalten gesetzlich festgelegte Gehälter in oft stattlicher Höhe sowie eine Rente, die nach 15 Dienstjahren 70 Prozent des Grundgehaltes beträgt.
- Die Menschen, die für die Stadt arbeiten, erhalten von diesen Versorgungsleistungen nichts.
- Ihre Gehälter richten sich nach den marktüblichen Sätzen.
- Außerdem haben ihre Verträge in der Regel nur eine Laufzeit von einem Jahr.
- Mit der Entlassung der Beamten schlägt Sobjanin mehrere Fliegen mit einer Klappe.
- Die Blumen werden gepflanzt, die Straßen gefegt, die Metro fährt – und kein einziges Schlagloch bleibt unausgebessert.
- Überdies ist der Stellenabbau ein hervorragendes Disziplinierungsinstrument.
- Die verbleibenden 85 Prozent der hoch bezahlten Beamten dürften nun viel tun, um ihre Loyalität zu beweisen.
- Kritik an Entscheidungen oder an „Gehwegplatten-Exzessen“ wird intern in Zukunft vermutlich vorsichtiger geäußert.
- Die Hauptstadt wohl mehr oder weniger genauso wie zuvor funktioniert, obwohl sie viel Geld einspart – und auf ein paar Festivals für den Eindruck nach außen verzichtet.