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Giftiges Erbe unter der Stadt: Was Delitzsch jetzt von Cottbus lernen muss

Seit dem 26. Februar 2026 gilt in weiten Teilen von Delitzsch ein Entnahmeverbot für Grundwasser. Der Auslöser: Altlasten einer ehemaligen chemischen…

Fakten

  • Seit dem 26. Februar 2026 gilt in weiten Teilen von Delitzsch ein Entnahmeverbot für Grundwasser.
  • Die Altlasten einer ehemaligen chemischen Reinigung in der Laueschen Straße haben eine Schadstofffahne ins Grundwasser getrieben, die sich inzwischen westwärts bis in den Stadtpark ausgebreitet hat.
  • In Cottbus war es ein Chemiehandel – der sogenannte Potsdamer Chemiehandel –, der von 1954 bis 1997 massiv Schadstoffe in Boden und Grundwasser eingetragen hat.
  • Mehr als 50 Tonnen Schadstoffe gelangten dabei ins Erdreich.
  • Die Stadt Cottbus musste rund 90 Prozent der Sanierungskosten durch Landesmittel abdecken – über ein Instrument zur Altlastenfreistellung, das aus dem DDR-Umweltrahmengesetz ins Bundesrecht überführt worden war.
  • Die Bedingungen für die Sanierung waren: Die Stadt musste Eigentümerin des kontaminierten Grundstücks sein, die Altlasten mussten durch Gutachten nachgewiesen sein, und es musste eine Investition geplant werden, die dem Gemeinwohl und dem Arbeitsmarkt nützt.
  • In Cottbus war das letztlich eine BMX-Bahn, die als Investitionsnachweis diente und bis heute genutzt wird.
  • Die Sanierung in Cottbus dauert bis 2030 und kostet rund 44 Millionen Euro.
  • 90 Prozent der Kosten werden vom Land Brandenburg übernommen, zehn Prozent von der Stadt – also rund 4,4 Millionen Euro aus kommunalen Mitteln.
  • Bisher wurden 12,5 Tonnen Schadstoffe aus dem Boden und 5,7 Tonnen aus der Bodenluft, also dem gasförmigen Teil des Bodens, entnommen.
  • Die bisherigen Kosten belaufen sich auf 24 Millionen Euro.
  • In Cottbus ist es ein offenes Geheimnis, dass viele Kleingärtner weiterhin ihren eigenen Brunnen nutzen.
  • Die Stadt hat eine pragmatische Haltung entwickelt: Sie habe getan, was möglich war, Alternativen geschaffen und Multiplikatoren – Kreisverband, Spartenvorsitzende – eingebunden.
  • Kontrollen, ob das Grundwasser-Entnahmeverbot eingehalten wird, gibt es nicht. Das sei auch personell nicht machbar, so die Verwaltung.
  • In Cottbus läuft die Grundwasserreinigungsanlage seit 2003 und die Bodenluftreinigung gilt inzwischen als weitgehend abgeschlossen, die Grundwassersanierung nicht.
  • Die Schadstofffahne hat sich inzwischen über fast vier Kilometer durch das Cottbuser Stadtgebiet bewegt und breitet sich aus – auf mehr als 20 Hektar Fläche.
  • Vom Quellgrundstück geht laut Bergner kein Schadstoff mehr aus – ein zentraler Sanierungserfolg.
  • Aber was unterwegs ist, bleibt unterwegs. Die von der Hauptgiftquelle abgetrennte Schadstoffwolke kann nach heutigem Stand nicht saniert werden – das wäre schlicht nicht finanzierbar.
  • Cottbus ist kein Blaupausen-Modell für Delitzsch. Die Standorte sind verschieden, die Geologie ist verschieden, und auch die Größenordnungen unterscheiden sich.
  • Aber die grundlegenden Erfahrungen sind es wert, genau studiert zu werden: Frühzeitige Kommunikation schafft Vertrauen. Förderinstrumente müssen aktiv gesucht und klug genutzt werden. Technische Lösungen brauchen Geduld und Anpassungsbereitschaft. Und die Bürger brauchen Mitnahme.
  • Vor allem aber zeigt Cottbus, dass dieses Problem nicht irgendwann einfach verschwindet. Nach mehr als 25 Jahren Sanierung, 24 Millionen Euro Kosten und fünf Erweiterungen der Verbotszone ist die Stadt noch immer mitten im Prozess.