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Deutsche Bildungsreform: SWK befürwortet Datenstrategie inspiriert von Kanada

Die Zauberformel für Deutschlands Bildungssystem liegt irgendwo zwischen Prärie, tiefblauen Bergseen und den Rocky Mountains; 7000 Kilometer Luftlini…

Fakten

  • Die Zauberformel für Deutschlands Bildungssystem liegt irgendwo zwischen Prärie, tiefblauen Bergseen und den Rocky Mountains; 7000 Kilometer Luftlinie vom Deutschen Bundestag entfernt.
  • Das kanadische Bildungssystem gilt als besonders gut und wird immer wieder als Inspirationsquelle für den Umbau des deutschen Bildungssystems herangezogen.
  • Karin Prien (CDU) hat in ihrer vorherigen Rolle als Bildungsministerin in Schleswig-Holstein die westkanadische Provinz besucht.
  • Gegen Ende April wird Karin Prien nun erstmals als Bundesbildungsministerin nach Kanada reisen.
  • Kanada sei für die Ministerin ein „Vorbild für gute Bildungspolitik mit guten Ergebnissen bei Schülerinnen und Schülern bei ähnlichen Herausforderungen wie in Deutschland“.
  • Die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) unter Leitung von Felicitas Thiel hat das Gutachten veröffentlicht, das den Vorschlag zur datengestützten Schul- und Unterrichtsentwicklung befürwortet.
  • Die SWK plädiert für eine Gesamtstrategie, die Ziele und Daten über unterschiedliche Ebenen hinweg miteinander verknüpft.
  • Die bisherigen Erhebungen durch Vera 8 und Vera 3 - bundesweite Vergleichsarbeiten - reichten nicht aus, um Bildungsverläufe ausreichend zu dokumentieren.
  • Die 16 Bildungsforschenden sehen sowohl für Eltern, Lehrkräfte, Schulen als auch für das Bildungssystem grundsätzlich Vorteile in der datengestützten Schul- und Unterrichtsentwicklung.
  • Für Lehrkräfte sind Daten ein „unverzichtbares Instrument“ für Lernförderung und Unterrichtsentwicklung.
  • Die Daten könnten Lehrkräften zeigen, inwiefern Bildungsstandards erreicht wurden und ermöglichen, die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen zu überprüfen.
  • Für die Schulen bieten die Daten Potenzial in der Schulentwicklung, also etwa den Fortbildungsbedarf zu erkennen oder bei der Lehrplanentwicklung.
  • Die Daten könnten eine Grundlage bieten, auf der Schule und Schulaufsicht Zielvereinbarungen treffen könnten.
  • Auf der Systemebene geht es primär darum, offenzulegen, wie leistungsfähig das deutsche Schulsystem sei, sowie Ansatzpunkte für die Qualitätsentwicklung zu identifizieren.
  • Dazu zählen auch Daten, die schulübergreifenden Handlungsbedarf zeigen, wie die Verteilung von Ressourcen oder die Entwicklung von Programmen.
  • Eltern und Schulen könnten die Daten näher zusammenbringen - zumindest sehen die Forschenden dort ein Potenzial.
  • Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie andere pädagogische Fachkräfte könnten so besser über individuelle Lernverläufe informieren.
  • In anderen Ländern würden diese Rückmeldungen eine Grundlage für Bildungspartnerschaften bilden, so die Forschenden.
  • In Deutschland sei dieses Konzept jedoch noch wenig etabliert.
  • Damit eine Gesamtstrategie entwickelt werden kann, müssten diese unterschiedlichen Perspektiven und Funktionen ineinandergreifen, so die Forschenden.
  • Kritik an dem Gutachten kommt vom Bildungsverband der Philologen (DPhV) und der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW).
  • „Zentrale Datenerhebungen dürfen nicht länger Selbstzweck sein und ihre Nutzung den Lehrkräften als kreative Übung überlassen werden“, sagt DPhV-Bundesvorsitzende Susanne Lin-Klitzing.
  • Sie müssen strukturell und unmittelbar mit praktisch nutzbaren Vorschlägen für konkrete Fördermaßnahmen verbunden sein, die tatsächlich bei den Schülerinnen und Schülern ankommen.
  • Für die Lehrkräfte fordert sie klare Verantwortlichkeiten, Verknüpfung mit Fördermaterialien, rechtsverbindliche und datensichere Strukturen sowie Zeitfenster im Stundenplan.
  • Die GEW warnt davor, Daten als Allheilmittel zu verstehen, die Einführung einer Schüler- oder Bildungs-ID lehnt sie ab.
  • Auf dem Papier klingt es vielleicht plausibel, dass eine bessere Datenlage profundere Entscheidungen im Unterricht ermöglichen“, sagt Anja Bensinger-Stolze, GEW-Vorstandsmitglied Schule.
  • Lehrkräfte bräuchten aber keine bessere Datenlage, sondern eine „gute Klassengröße, bessere Ausstattung, gesunde Kolleginnen und Kollegen sowie die Unterstützung eines multiprofessionellen Teams“.
  • Individualisierte Fördermaßnahmen würden bereits heute als Instrument eingesetzt.
  • „Wir müssen dringend dahin kommen, dass die Lehrkräfte in ihrer pädagogischen Arbeit und in ihrem Gespür für das Unterrichtsgeschehen gestärkt und ernst genommen werden“, so Bensinger-Stolze.