Kleinkind in Niesky verletzt: Unfälle mit Senioren entfachen Debatte um Fahrtüchtigkeit
Nach zwei schweren Unfällen in Sachsen und Thüringen, bei denen Senioren vermutlich Hauptverursacher waren, ist erneut eine Diskussion um die Fahrtüc…
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Fakten
- In Deutschland gibt es keine Pflicht für regelmäßige Überprüfungen der Fahrtauglichkeit älterer Autofahrer.
- Die EU-Kommission hatte 2023 eine Reform der Verkehrsvorschriften angestoßen, aber entschied sich gegen verpflichtende Überprüfungen der Fahrtauglichkeit bei älteren Autofahrern.
- Der Anteil der verunglückten Personen, die älter als 65 Jahre sind, ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen.
- In Sachsen gab es einen Anstieg des Anteils von Unfällen mit älteren Verursachern von 5,89 Prozent im Jahr 1995 auf 17,81 Prozent im vergangenen Jahr.
- Die größte Gruppe bei den Verunglückten machten im letzten Jahr Menschen zwischen 25 und 44 Jahren aus: 28,7 Prozent.
- Ältere Menschen sind laut Statistischem Bundesamt seltener in Autounfällen verwickelt als jüngere.
- Der über die Jahre beobachtete Anstieg von Autofahrern und -fahrerinnen ab 75 Jahren, die bei Unfällen mit Todesfolge als Hauptverursacher erfasst wurden, ist auf zwei Gründe zurückzuführen: Die Zahl der Menschen mit Führerschein in diesem Alter ist gestiegen, und ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung hat sich erhöht.
- 2023 waren laut TÜV-Verband 25 Prozent der Autofahrer 65 Jahre und älter, 2015 waren es erst 17 Prozent.
- In Thüringen war der Anteil der Unfälle, bei denen Menschen über 65 Jahren Verursacher waren, sogar noch höher als im deutschlandweiten Vergleich.
- Von den 12.613 Verkehrsunfällen im Jahr 2024, an denen Verkehrsteilnehmer ab 65 Jahren beteiligt waren, wurden die Unfälle in mehr als 70 Prozent der Fälle auch von diesen verursacht.
- Bei Verkehrsunfällen, die durch Verkehrsteilnehmer ab 65 Jahren verursacht wurden, werden laut Unfallstatistiken immer wieder die gleichen Ursachen genannt: Vorfahrtsfehler, überhöhte Geschwindigkeit, Fehler beim Abbiegen, zu geringe Sicherheitsabstände und falsches Verhalten gegenüber Fußgängern.
- Der ADAC lehnt verpflichtende Fahrtüchtigkeitsprüfungen ab einem bestimmten Alter ab, da Alterungsprozesse individuell sehr verschieden verlaufen und eher Gesundheitszustand und Fahrerfahrung entscheidend seien.
- Der TÜV-Verband schlägt ein Stufenmodell vor: Zunächst sogenannte freiwillige Rückmeldefahrten, ab 75 Jahren sollten regelmäßig und verpflichtend werden.
- Der Landesseniorenrat Thüringen bewertet verpflichtende Überprüfungen aufgrund des Diskriminierungsrisikos kritisch und befürwortet freiwillige Angebote.
- Seniorenverbände verweisen darauf, dass die Mobilität ein entscheidender Faktor bei der Teilhabe im Alltag sei, aber auch betonen, dass bestimmte Krankheiten wie Demenz klar mit Fahruntauglichkeit einhergehen können.
- In Deutschland gibt es keine Pflicht für medizinisch-psychologische Untersuchungen (MPU) aufgrund des Alters, aber diese können nach dem Entzug des Führerscheins angeordnet werden.
- Gesundheitschecks sind freiwillig und werden etwa vom ADAC empfohlen, etwa was das Sehvermögen betrifft.
- Sogenannte Rückmeldefahrten können Senioren bei einer Fahrschule buchen – sind keine Prüfung im klassischen Sinne, sondern eine Fahrt mit Beobachtung und anschließender Rückmeldung, die helfen soll, die eigene Fahrkompetenz realistischer einzuschätzen.
- Die Warnzeichen vor allem auf das Zusammenspiel nachlassender Fähigkeiten, nicht nur auf ein einziges Problem wie etwa die Sehstärke, sind von Seniorenvertretungen hervorgehoben.
- In Sachsen-Anhalt starten ab April unter anderem mehrere Volkshochschulen entsprechende Kurse.