Was Europas Digitalisierungs-Champions auszeichnet
Roland Berger und Microsoft haben die Gewinner des diesjährigen „Microsoft Intelligent Manufacturing Award“ ausgezeichnet.Jaguar PS/Shutterstock.com
Das Zeitalter der Experimente ist vorbei. Was früher als Vision in Laboren getestet wurde, steuert heute komplexe Lieferketten, optimiert den Energieverbrauch und unterstützt Fachkräfte bei ihrer täglichen Arbeit. Das zeigen zumindest die Preisträger des Microsoft Intelligent Manufacturing Award (MIMA) 2026, zu denen auch vier deutsche Unternehmen zählen.
„Künstliche Intelligenz ist in der Industrie vom Pilotprojekt zur produktiven Realität geworden“, meinte Jochen Gleisberg, Partner bei Roland Berger und Mitglied der Fachjury, anlässlich der Präsentation der Preisträger. „Die Gewinner des MIMA 2026 zeigen, wie konsequent Industrieunternehmen heute KI einsetzen, um ihre Operations neu zu denken. Entscheidend ist dabei nicht die Technologie an sich, sondern ihre Wirkung im Betrieb: schnellere Entscheidungen, robustere Prozesse und spürbare Produktivitätsgewinne.“
Die Gewinner des Microsoft Intelligent Manufacturing Award 2026.
Roland Berger
Der Preis wurde zum siebten Mal von Roland Berger und Microsoft vergeben. Die beiden Partner verstehen den Award auch als Gradmesser für den digitalen Wandel in der EMEA-Region. Unter 15 Finalisten wählte die Jury einen Gesamtsieger sowie Preisträger für die Kategorien:
Innovate!,
Scale!,
Add Value!,
Disrupt!,
Sustainability! und
SME!.
Der Champion: Krones definiert Effizienz neu
Agentenunterstützte Simulation Digitaler Zwillinge, die physikalisch präzise Echtzeitmodelle mit KI kombiniert, um Szenarien zu bewerten, Produktionsparameter zu optimieren und Erkenntnisse direkt in laufende Fertigungssysteme zu übertragen.
Krones
An der Spitze der diesjährigen Gewinner steht der Abfüllanlagen-Hersteller Krones. Als Gesamtsieger beeindruckte das Unternehmen die Jury mit einer neuen Generation Digitaler Zwillinge. Diese virtuellen Abbilder kombinieren physikalisch exakte Simulationen mit KI-Agenten, die eigenständig logische Schlüsse ziehen. Das Ergebnis: Simulationen, die früher Stunden dauerten, sind nun in Minuten abgeschlossen. Dabei passt die KI Parameter wie Geschwindigkeit oder Temperatur autonom im laufenden Betrieb an.
Tesa: Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil
Die Energy‑Intelligence‑Plattform vernetzt Energiemärkte, Standortinfrastruktur und Produktion über eine modular aufgebaute, vollständig autonome Architektur.
tesa SE
Dass Digitalisierung und Umweltschutz Hand in Hand gehen, beweist tesa. In der Kategorie Sustainability! siegte der Klebeband-Spezialist mit einer KI-Plattform, die Energiebetrieb, -planung und -beschaffung an drei Standorten autonom steuert. Angesichts schwankender Energiepreise prognostiziert die Plattform Energieflüsse und optimiert Anlagen wie Elektrodampfkessel in Echtzeit, um das Ziel einer klimaneutralen Produktion bis 2030 zu erreichen.
Erbe Elektromedizin: KI als Spülmaschine für den Geist
KI‑gestütztes Clinical‑Evidence‑Mining zur Extraktion, Strukturierung und Analyse wissenschaftlicher Literatur, das die regulatorische Compliance und Entscheidungsfindung im Rahmen der EU‑Medizinprodukteverordnung unterstützt.
Erbe Elektromedizin.
Ein besonders menschlicher Aspekt der Technologie zeigte sich in der Kategorie SME! (Mittelstand). Erbe Elektromedizin aus Tübingen nutzt KI, um klinische Daten aus tausenden wissenschaftlichen Publikationen zu extrahieren – eine Aufgabe, die für die Zulassung von Medizinprodukten (MDR) essenziell ist. So hat man mit EvidenceStream eine KI-gestützte Plattform entwickelt, welche die Extraktion und Strukturierung klinischer Evidenz aus wissenschaftlicher Literatur automatisiert.
Nermin Salkic, Global Medical Director der Erbe Group, bringt den Nutzen auf den Punkt: „KI soll den Abwasch machen, damit Menschen Gedichte schreiben können“. Durch die Automatisierung wurde die Arbeitszeit für Literaturrecherchen halbiert, ohne dass eine einzige Stelle abgebaut wurde. Die Experten nutzen den gewonnenen geistigen Freiraum nun für komplexe Analysen.
AUMOVIO: AI Hub mit 1.500 KI-Agenten
Der AI Hub von AUMOVIO bringt KI direkt in tägliche Arbeitsabläufe – er beschleunigt Entscheidungen, automatisiert komplexe Prozesse und steigert die Produktivität in industriellen Anwendungen.
AUMOVIO
Vierter deutscher Preisträger ist der Automobilzulieferer AUMOVIO in der Kategorie: Innovate!. Das Unternehmen wurde für seinen internen AI Hub ausgezeichnet, der künstliche Intelligenz direkt in die tägliche Arbeitsumgebung der Mitarbeiter integriert. Über diese Plattform können die Teams auf mehr als 1.500 spezialisierte KI-Agenten zugreifen oder diese selbst erstellen.
Mit ihrer Hilfe lassen sich beispielsweise Dokumente analysieren, Workflows automatisieren oder technische Störungen diagnostizieren. Die Lösung wird bereits von über 21.000 Nutzerinnen und Nutzern weltweit eingesetzt und unterstützt unter anderem Softwareentwickler bei Coding-Richtlinien sowie Einkaufsteams bei der Analyse von Verträgen.
Tetra Pak: Smart-Factory-Technologien
Das Tetra Pak Factory OS ermöglicht eine intelligentere und schnellere Entscheidungsfindung in der Lebensmittel‑ und Getränkeproduktion.
Tetra Pak
Das Schweizer Unternehmen Tetra Pak überzeugte in der Kategorie Scale! mit seinem Tetra Pak Factory OS. Dabei handelt es sich um eine Suite modularer Smart-Factory-Technologien für die Lebensmittel- und Getränkeproduktion. Das System führt Automatisierung, Daten und Analytik in einer einheitlichen Betriebsumgebung zusammen und kann Anlagen unabhängig von Alter oder Hersteller vernetzen.
Dadurch werden fragmentierte Werksdaten in eine Echtzeitansicht transformiert, was die digitale Transformation im großen Maßstab beschleunigt – selbst an Standorten mit unterschiedlichem digitalem Reifegrad. Die Lösung setzt zudem auf das Prinzip Security-by-Design, um Cybersicherheitsrisiken zu minimieren.
Yara International & Kongsberg Digital: Software für industrielle Intelligenz
Yara und Kongsberg entwickelten eine einheitliche industrielle Arbeitsoberfläche, die Anlagendaten, Dokumente und operativen Kontext zusammenbringt.
Kongsberg / Yara
In der Kategorie Add Value! beindruckten die beiden norwegischen Partner Yara International & Kongsberg Digital die Jury mit Industrial Work Surface, einer Software für industrielle Intelligenz. Für die Anlage von Yara in Porsgrunn wurde ein exakter digitaler Zwilling namens Kognitwin erstellt. Er basiert auf hochauflösenden 3D-Scans, 3D-Modellen und der Verknüpfung von einer halben Million Dokumenten sowie 25 Jahren Wartungsdaten.
Eine Weboberfläche ermöglicht den Teams eine präzisere Remote-Zusammenarbeit und schnellere Entscheidungsfindung. Schließlich sind über Kognitwin kontextualisierte Daten genau zum richtigen Zeitpunkt für alle Ebenen – vom Einsatzpersonal bis zur Geschäftsleitung – zugänglich.
EssilorLuxottica: Transparenz für den Verbraucher
Ein Digitaler Produktpass für Brillen zeigt, wie Verbraucherinnen und Verbraucher über eine vernetzte digitale Schnittstelle auf verifizierte Produktinformationen, Herkunftsdaten und Nachhaltigkeitsinformationen zugreifen können.
EssilorLuxottica
Auch der direkte Kontakt zum Kunden wird durch digitale Innovationen revolutioniert. EssilorLuxottica (Frankreich/Italien) gewann in der Kategorie Disrupt! mit einem digitalen Produktpass für Brillen. Käufer können über eine interaktive Plattform die Herkunft, Markentradition und Nachhaltigkeitsaspekte ihres Produkts einsehen – ein wichtiger Schritt, um künftigen EU-Regulierungen zuvorzukommen. Die Lösung feierte ihr Debüt mit der neuesten Kollektion von Alain Mikli und wird schrittweise auf das gesamte globale Markenportfolio des Unternehmens ausgeweitet.
Interessierte können die Gewinner und ihre Lösungen live auf der Hannover Messe am Stand von Microsoft sehen.
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