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Auf der Jagd nach dem neuen James Bond
Es das bestgehütete Kinogeheimnis dieser Zeit: Wer spielt James Bond? Daniel Craig gab den Agenten mit der Lizenz zum Töten ab 2006 fünfmal - nach „0…
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Fakten
- Daniel Craig gab den Agenten mit der Lizenz zum Töten ab 2006
- fünfmal - nach „007 - Keine Zeit zu sterben“ war 2021 Schluss.
- Seitdem fragt sich die Filmwelt: Wer wird der Neue?
- Kürzlich erzählte mir mein zweitältester Freund aus Grundschultagen, er habe seine Bond-Film-Sammlung „weggeworfen“. Weil er so einen Frauenfeind nicht mehr unter seinem Dach dulden wollte.
- Seine Tochter hat ihm erläutert, wie „cringe“ Bond heutzutage sei. Dass Bond seine Partnerinnen unterwerfe und sich danach verhalte, als seien diese durch 007-Sex zu Trophäen geworden.
- „Auch die Daniel-Craig-Filme!?“ Bond sei Bond, sagte er. Alles weg. Er hat die Filme nicht etwa über E-Bay verkauft. Nicht ins Soziale Kaufhaus gebracht. Die Tochter hat alles zur Deponie gefahren.
- Kein anderer Mann soll mehr durch 007 zum Sexisten retardieren, sagte sie.
- Hat sie überhaupt mal einen Bond-Film gesehen? Mehrere, erklärt sie. Zuletzt „Im Angesicht des Todes“. Das ist der Film mit Grace Jones im Bett mit Bond.
- Derselbe Freund, der, seit wir 18 sind, seinen Martini immer geschüttelt getrunken hat, schließt sich also der Gen-Z-Sicht auf unseren Helden an.
- „Wenn Emily Blunt die James Bond spielt, bin ich dabei“, erklärt uns die Tochter vergnügt und verabschiedet sich zu ihrer Laufgruppe.
- Als sie weg ist, frage ich: „Das war uns doch immer wichtig, Mann! Wer neuer Bond wird! Was denkst du, wer wird es?“ Uns, denen 007 mit der Lizenz zum Töten den Kalten Krieg in cooles Kino verwandelt hat, der uns die Atomkriegsangst abgefedert und die Gewissheit gegeben hat: Alles wird geregelt.
- „Da wirst du wohl beim MI6 nachfragen müssen“, witzelt er. „Wenn schon was raus ist, wissen die das. Bond ist ja quasi deren Werbefigur.“
- Judi Dench hatte Bond bei ihrem ersten Auftritt als Geheimdienstchefin M in „Golden Eye“ (1995) immerhin einen „sexistischen, misogynen Dinosaurier“ genannt, argumentiere ich.
- „Eben“ sagt mein Freund. „Und die sind ja auch weg.“
- Ich will es nun wissen und schreibe den MI6 tatsächlich an. Den ‚Pressetisch‘ - mit Bitte um Weiterleitung an Blaise Metreweli, die erste Chefin des echten Secret Intelligence Service -die C genannt wird, nicht M.
- „Dear Madam or Sir from the pressdesk of MI-6, I am currently preparing ...“ Die schreibt nie im Leben zurück, denke ich, während ich die Mail abschicke. Die leiten das bestimmt nicht mal an sie weiter.
- Es gab ja mal eine Modesty Blaise, fällt mir ein, das war eine Comic-Geheimagentin der Briten, eine Art Bondine. „Die tödliche Lady“ hieß ein Film mit ihr.
- Alle zwei Stunden rufe ich meine Mails auf. C schweigt eisern. Komm schon, Blaise!
- Glücklicherweise hat Bond ja noch einen wichtigeren Arbeitgeber - das neue 007-Produktionshaus MGM/Amazon Prime Video.
- Noch eine Mail - an die PR-Maschine! Wobei eine zwischengelagerte Agentur höflich erklärt, sie fürchte, ‚dass es dazu wahrscheinlich keine Aussage geben wird‘.
- Mein alter Freund fürchtet das auch. Seine Tochter auch. Meine Frau auch. Meine Tochter und mein Sohn auch.
- „Wer wird der neue James Bond?“ frage ich meinen Hund. Er jault seinen Singsang, und das klingt wie: Timothée Chalamet ... Aber Chalamet ist Amerikaner.
- Und Regisseur Denis Villeneuve hat gesagt, ‚jung, unbekannt und britisch‘ soll der Neue sein.
- „Frag doch mal den Oktopus“, empfiehlt meine Tochter.
- Ein paar Tage später wird der 36-jährige Engländer Callum Turner auf der Berlinale auf die Bond-Rolle angesprochen.
- Und der Schauspieler antwortet: ‚Es ist sehr früh für diese Frage‘.
- Dann drängt sich sein Kollege Tracy Letts ans Mikrofon und witzelt: ‚Tut mir leid, ich bin der nächste Bond‘.
- Das ist natürlich Unsinn, Letts, ein 60-jähriger Amerikaner, hat noch weniger Chancen als Chalamet (30).
- Callum Turners ‚sehr früh‘ allerdings klingt nicht nach einem Dementi. Eher nach einer heißen Spur.
- Ob ich C mal direkt auf Turner ansprechen soll? Warum schweigt C bloß so hartnäckig?
- „Wir wissen, wer es wird“, lacht sie mich immer mal wieder in meinem Kopf aus, ‚aber warum, glauben Sie, nennt man uns den Secret‘ Intelligence Service?“
- Von MGM/Amazon bekomme ich drei Tage später via Agentur eine Antwort.
- „Leider können wir uns dazu nicht äußern und müssen freundlich absagen“.
- Ich arbeite normalerweise nicht mit Künstlicher Intelligenz, ich bin ein Analog-Saurier. Aber ich formuliere dann doch einen Prompt an die mir von meiner Frau dafür eigens aufs Handy geladene KI: ‚Wer wird in dem nächsten Film über den Geheimagenten James Bond die Rolle des James Bond spielen?“
- Die Antwort: Es gebe bislang nur Spekulationen und Gerüchte.
- Allerdings bestehe - bingo! -eine derzeitige 26-prozentige Wahrscheinlichkeit für Callum Turner.
- Gefolgt von ‚Witcher‘- und ‚Superman‘-Darsteller Henry Cavill (5,9 Prozent), dem wiederholt gehypten Aaron Taylor-Johnson (5,6) und ‚Wuthering Heights‘-Darsteller Jacob Elordi (5,1).
- Drei Briten und ein Australier. Danach folgen sieben weitere Darsteller mit geringeren Chancen.
- Darunter auch der 73-jährige Pierce Brosnan, also der ‚sexistische, misogyne Dinosaurier‘.
- Die Chance, dass es eine Frau wird? Laut KI unter ein Prozent. Nix mit Emily Blunt.
- Wer Gerüchten und Stimmungen nachjagt, der kommt kaum um die Recherche in den sozialen Medien herum.
- AMeistgenannt beim Kurznachrichtendienst ‚X‘ sind am 3. März Turner, Elordi und Taylor-Johnson.
- Ebenso sind sie das am 4., 5. und 6. März. Auch am 7., 8. und 9. März.
- Am 10. März stoße ich dort dann auf den Trailer zu einer neuen Amazon-Prime-Video-Comedy-Serie. ‚Bait‘ heißt die – ‚Köder‘. Wow!
- Die Serie handelt davon, wer der nächste James Bond werden wird.
- Riz Ahmed spielt den erfolglosen pakistanisch-stämmigen Schauspieler Shah Latif, der ins Casting für die 007-Rolle geht.
- „James Bond ist weiß“, entmutigt ihn gleichmal ein Kumpel. Ist diese Serie womöglich ein einziger Hinweis auf das große Bond-Rätsel?
- Will Amazon schonmal im Trailer klären, dass sich alle Diskussionen um einen ‚schwarzen Bond‘ erledigt haben?
- Und gibt es vielleicht noch einen Hinweis auf Callum Turner im Trailer? Ich finde keinen, mein Freund auch nicht.
- Er ist inzwischen wieder interessierter an Bond, finde ich.
- Am 25. März werden alle sechs ‚Bait‘-Folgen online gehen.
- Ich muss versuchen, an Turner direkt heranzutreten.
- „Schmink dir das ab“, sagt mein Freund.
- „Der hat garantiert was unterschrieben.“
- Vorerst versuche ich es über einen Umweg. Danny Morgenstern ist so nah dran an Bond, wie kaum ein anderer Deutscher.
- Er ist Bond-Experte, im Vorstand des James-Bond-Club-Deutschland und Autor von etwa anderthalb Dutzend Sachbüchern zum Agenten Seiner Majestät.
- „Wenn Turner es sein sollte, hat er eine 16-Seiten-Stillschweigeerklärung unterschrieben“, sagt er.
- Morgenstern ist - aufgrund des ausgeprägteren Charismas - für Taylor-Johnson, größerer Favorit sei allerdings tatsächlich Turner.
- „Über den regen sich aber viele auf, weil er so abstehende Ohren hat.“
- Fest stehe für den 007-Fachmann, dass zum Zeitpunkt unseres Gesprächs insgeheim schon klar ist, wer 2028 im Kino sagen wird: ‚Mein Name ist Bond. James Bond‘.
- „Und bei Bond heißt das nicht, dass der Schauspieler zur Tür reinkommt und dreht. Da ist viel Vorabtraining mit Stuntmen nötig.“
- Im Idealfall werde jetzt schon geprobt.
- Dass ich die Rückmeldung des MI6 herbeisehne, versteht Morgenstern.
- Sein Schweigen danach spricht Bände.
- Bond und MI6 seien in Wahrheit gar nicht so dicke.
- Der Geheimdienst sieht seine Arbeit von 007 zu abenteuerlich dargestellt.
- Vielleicht weiß C doch nichts.
- Handfester, näher an Ian Flemings kriminalhaften Romanen, soll der neue Bond werden, sagt Morgenstern.
- Weniger Gadgets, vielleicht fehlen Figuren wie Q und Moneypenny erstmal ganz.
- Es macht Freude, ihm zuzuhören.
- „Aufgrund der neuen Weltlage könnten die Russen wieder als Bösewichte auftauchen.“
- Und erstmals auch der böse Maga-Amerikaner, ergänze ich beflissen.
- Da aber widerspricht der Experte: Nicht, solange Trump an der Macht sei.
- Da sei der US-Markt viel zu wichtig.
- Amazon hat seinen Sitz dort.
- Ich frage mich besorgt, wie glaubwürdig ein Amazon-007 wohl noch sein kann, wenn sein Agentenfreund Felix Leiter jetzt für die Trump-CIA arbeitet.
- Es ist Mitternacht, ich stehe auf der Straße. Ein Rolls Royce Cullinan mit silbernem Paisleylack hält unter der Laterne.
- „Mein Name ist Metreweli. Blaise Metreweli“, sagt die Frau im Fond.
- „Er ist im Kofferraum“, sagt Blaise.
- „Er ist ein sexistischer, misogyner Dinosaurier“, raunt Grace mit dunkler Stimme.
- „Sehen Sie nach, Sie wollten doch unbedingt wissen, wer es wird“, fordert mich Blaise auf.
- Die getönte Scheibe fährt hoch. Ich gehe ums Auto. Ich hab ihn gefunden!
- Ich - hab - ihn - gefunden! Ich öffne die Kofferraumklappe. Ich wache auf. Oscar-Preisträgerin Jessie Buckley tippt am 18. März auch auf Callum Turner.
- Ich rechne jetzt fest damit, dass die Bekanntgabe von ihm oder Taylor-Johnson mit der Serie zusammenhängt.
- Vielleicht am Ende der letzten Folge von ‚Bait‘.
- „Denen bei Amazon traue ich alles zu“, meint Morgenstern.
- Die Bekanntgabe stünde jedenfalls unmittelbar bevor, meint der Experte.
- Und die Tochter meines Freundes könne auch entspannen - der neue Bond werde in die Zeit passen.
- „Er wird Frauen respektieren, Pronomen beherrschen - und trotzdem noch den Martini geschüttelt trinken.“
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