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Ein Lehrer hinter Gittern: So läuft der Unterricht im Gefängnis-Klassenzimmer ab
Eine Deutschlandkarte hängt an der Wand, im Regal stehen mehrere Duden. Auf dem Tisch liegt ein Arabisch-Wörterbuch. Eigentlich sieht es aus wie in j…
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Fakten
- Ein Lehrer hinter Gittern: So läuft der Unterricht im Gefängnis-Klassenzimmer ab
- Eine Deutschlandkarte hängt an der Wand, im Regal stehen mehrere Duden. Auf dem Tisch liegt ein Arabisch-Wörterbuch.
- Der Lehrer unterrichtet in einer JVA in Remscheid in Nordrhein-Westfalen.
- Gregor Pütz ist pädagogischer Leiter der Justizvollzugsanstalten Remscheid, Vohwinkel und der Jugendarrestanstalt.
- Er unterrichtete Wirtschaftswissenschaften (Wiwi) und Bankbetriebslehre.
- Ein Lehrer für die JVA wurde gesucht. Hier stehen statt Wiwi Mathematik, Deutsch und Englisch auf dem Stundenplan.
- Der eine will sich auf einen Schulabschluss oder eine Ausbildung vorbereiten, der andere will seinem Kind bei Hausaufgaben helfen können.
- Der nächste wiederum will seine Kenntnisse auffrischen.
- Es gibt Schüler, die noch nie eine Schule besucht haben.
- Ein Schüler erzählte ihm etwa, er habe nach dem ersten Schultag beschlossen, nicht mehr hinzugehen und blieb zu Hause.
- Manche sind nach der neunten Klasse abgegangen.
- Für Gregor Pütz ist es jeden Tag eine Herausforderung, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse seiner Schüler einzugehen.
- Denn manch einer habe noch nie in seinem Leben ein Buch gelesen.
- Verschiedene Arbeitsblätter sollen helfen, jedem gerecht zu werden.
- Für den Nachmittag gibt es Hausaufgaben. Wer die nicht macht, bekommt Geld abgezogen oder fliegt ganz aus dem Kurs.
- Es gibt keinen Lehrplan.
- Brauchen die Schüler zum Tafelabschreiben mehr Zeit, setzt Gregor Pütz am nächsten Tag einfach dort an, wo er aufgehört hat.
- Das Fachliche ist weniger im Fokus.
- Ein Schüler oft ungepflegt zum Unterricht erschienen.
- Nach Ende des Kurses habe er regelmäßig geduscht.
- Der Schüler habe eine Struktur für seinen Alltag bekommen.
- Was ist nun anders im Vergleich zu einer regulären Schule?
- „Alles“, gibt Gregor Pütz zu.
- Mit Plus- und Minusrechnen zu beginnen, hatte er nicht unbedingt erwartet.
- Schließlich arbeitet er mit Erwachsenen zusammen.
- Das mache den Unterricht wiederum leiser.
- „Das Lernklima ist ruhig.“
- Dafür hätten viele nie gelernt, selbstständig zu arbeiten.
- Man fängt ganz woanders an als in der Welt draußen. Man braucht viel mehr Geduld und muss viel häufiger wiederholen.
- Die Herausforderungen seien ganz andere als in einer regulären Schule – so wie auch die Themen der Schüler, der Inhaftierten, andere seien.
- Manchmal sei es das Mittagessen, über das sich die Schüler beschweren.
- Manchmal sei es aber auch ein Anruf und ein Streit mit der Ehefrau daheim, der die Schüler beschäftigt.
- Oder ein Besuch, der nicht verlaufen ist wie erhofft – oder der nicht aufgetaucht ist.
- Eine Gratwanderung für Gregor Pütz.
- Denn manches muss er unterbinden, für anderes einen Raum bieten.
- Und die Frage steht im Raum: Wie viel Nähe lässt er zu – und wo geht er auf Distanz?
- „In der Schule draußen spricht man auch mal darüber, wohin man in den Urlaub fährt. Hier mache ich das nicht. Wenn ich frei habe, habe ich frei.
- Er weiß über die Taten Bescheid, die seine Schüler in die JVA gebracht haben – auch wenn im Unterricht nicht darüber gesprochen wird.
- „Aber das ist wichtig, um Andeutungen zu erkennen“, weiß er.
- Weil sein Vater als Sozialarbeiter im Gefängnis gearbeitet hat, hatte Gregor Pütz schon von früh an Berührungspunkte mit dem Thema und war der JVA gegenüber entsprechend aufgeschlossen.
- Vor Antritt seiner Stelle hat er eine Probestunde gegeben, in der andere Lehrkräfte seinen Umgang mit den Gefangenen beurteilen konnten.
- „Man darf keine Angst haben“, sagt er.
- Zwar seien seine Schüler Straftäter, doch verhalten sie sich so, wie die Schüler „da draußen“ – oder wie sich Erwachsene auch in einem Seminar verhalten würden.
- Hier wird getuschelt, da wird getratscht. Und jeder setzt sich erstmal nach hinten, möglichst weit vom Lehrer weg.
- Und es gibt Geschichten, die wohl vor allem wegen des Gefängnisses amüsant werden.
- Einer seiner Schüler erzählte mir stolz, dass ich schon seinen Vater unterrichtet hätte.
- Wenn am Ende kein Abschluss, kein riesiger Lernerfolg steht, was ist dann die Motivation eines Lehrers?
- „Sich selbst zu sagen, dass man etwas Positives macht und die Schüler draußen erfolgreich sind, das ist meine Motivation“, sagt Gregor Pütz.
- Selten bekommt er noch einmal eine Rückmeldung von Inhaftierten, die die JVA verlassen haben – wenn sie nicht nach einer weiteren Straftat zurückkehren.
- Drei Lehrkräfte sind derzeit in der JVA angestellt.
- Es sei schön und viel wert, wenn es gelingt, eine motivierende Lernatmosphäre zu schaffen, die den Menschen nicht nur den Zugang zu Bildung und besserer Verständigung ermöglicht, sondern sie auch ermutigt, an sich selbst zu glauben und an sich zu arbeiten.
- Eine Kollegin Pütz‘ betont
- Remscheid in Nordrhein-Westfalen
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