TUM und Neura bauen weltgrößtes Robo-Trainingszentrum
Das Robotik-Trainingszentrum RoboGym bauen TUM und Neura Robotics gemeinsam.
Neura Robotics
Während die digitale Welt heiß über die Fortschritte von Sprachmodellen wie ChatGPT diskutiert, wird am Münchner Flughafen die Revolution der physischen Welt geplant und vorbereitet. Auf 2.300 Quadratmetern entsteht im neuen TUM Convergence Center das TUM RoboGym – eine Trainingsanlage für Roboter.
Mit einem Investitionsvolumen von 17 Millionen Euro soll hier das weltweit größte Forschungs- und Trainingszentrum für Robotik entstehen, um eine der größten Hürden der Branche zu nehmen: den Mangel an hochwertigen Trainingsdaten für Pyhsical AI. Das ehrgeizige Projekt ist eine Gemeinschaftsarbeit der Technischen Universität München (TUM) und des Robotik-Pioniers Neura Robotics.
Daten-Dilemma der Robotik
Für IT-Entscheider ist das noch aus einer anderen Perspektive interessant: Während Large Language Models auf nahezu unbegrenzte Textmengen aus dem Internet zugreifen können, existiert für Roboter kein vergleichbarer Pool an Bewegungsdaten. Web-Videos von präzisen Montagevorgängen sind selten, und klassische Simulationen scheitern oft an der Komplexität der Realität – etwa, wenn es darum geht, Reibungskräfte zuverlässig abzubilden.
„Genau hier liegt der entscheidende Wettbewerbsfaktor“, erklärt David Reger, CEO von Neura Robotics. „Nicht mehr die Mechanik, sondern die Daten definieren das Tempo“. Im RoboGym sollen deshalb hunderte Robotersysteme – darunter zahlreiche humanoide Modelle – von menschlichen Trainern in allgemeinen Fertigkeiten geschult werden. Auf dem Lehrplan steht etwa das Falten von Schachteln oder das Zusammenfügen von Bauteilen. Am Ende der Ausbildung sollen die Maschinen diese Basisfähigkeiten selbstständig auf neue, spezielle Aufgaben übertragen können.
Gegengewicht zu den USA und China
Neben dem technischen Aspekt hat das Projekt noch eine strategische Komponente. Die Initiatoren, die Professoren Lorenzo Masia und Achim Lilienthal vom Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence (TUM MIRMI), sehen das Zentrum als notwendiges „Gegengewicht zu Wettbewerbern aus den USA und China“.
Ein Schwerpunkt des RoboGym liegt auf dem Training von Humanoiden.
Neura Robotics
In einer Zeit geopolitischer Spannungen sei es entscheidend, so Masia, dass Europa in Schlüsseltechnologien souverän sei. So soll RoboGym nicht nur Hardware hervorbringen, sondern einen „starken Kern europäischer Expertinnen und Experten“ ausbilden, die den Arbeitsmarkt der Zukunft prägen. Gleichzeitig will man die Tech-Community stärken: Die generierten Daten sollen größtenteils in einem offenen Ökosystem zur Verfügung gestellt werden, um die gesamte Robotik-Entwicklung zu beschleunigen.
Humanoide gehören bald zum Alltag
Das Projekt ist eine Erweiterung der „Industry on Campus“-Strategie der TUM. Neura Robotics trägt mit elf Millionen Euro den Löwenanteil der Kosten, vor allem für die Bereitstellung und Wartung der Hardware. Im Gegenzug profitiert das Unternehmen direkt von der akademischen Spitzenforschung.
TUM-Präsident Professor Thomas F. Hofmann ist überzeugt, dass humanoide Roboter den Status der Science-Fiction längst verlassen haben: „Schon in naher Zukunft werden sie fester Bestandteil unseres Alltags sein“. Dass der Professor mit seiner These durchaus Recht hat, untermauern unter anderem die praktischen Beispiele von BMW(„BMW macht der KI Beine“, „BMW gründet Zentrum für Pyhiscal AI“) und Mercedes-Benz („Mercedes setzt auf Humanoide“).
Mit der Vernetzung der Trainingsdaten über Plattformen wie das „Neuraverse“ entstehen skalierbare Infrastrukturen, die weit über das Labor in München hinausreichen. Zudem markiert das TUM RoboGym einen Wendepunkt: Die Entwicklung bewegt sich weg von isolierten Speziallösungen hin zu intelligenten, lernfähigen Systemen, die bereit sind für den produktiven Einsatz in einer komplexen, menschlichen Umgebung.
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