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Netzwerk-Troubleshooting auf hoher See

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WLAN und Internetzugang sind auf modernen Kreuzfahrtschiffen inzwischen selbstverständlich – schließlich wollen die Passagiere sich oft schon vorab über das nächste Reiseziel informieren oder nach einem Tagesausflug ein paar Urlaubsgrüße mit Bildern verschicken.



Doch das sind nur die offensichtlichen Berührungspunkte, die sie mit der Netzwerktechnik an Bord haben. Im Hintergrund laufen unzählige Services über kabelgebundene und drahtlose Netze, angefangen mit IP-TV und IP-Telefonie über Zutrittskontrollsysteme, Überwachungskameras und Beleuchtungssteuerung bis hin zu Bezahlterminals und Kaffeemaschinen. Hinzu kommen dann noch die dienstlichen Mobilgeräte der Crew.



Selbst die AIDAdiva, das kleinste Schiff der Flotte von AIDA Cruises, bringt es so auf fast 16.000 IP-Devices – die privaten Smartphones und Tablets der gut 2.000 Passagiere und knapp 600 Besatzungsmitglieder noch gar nicht mitgezählt.



150 Kilometer Netzwerkkabel



Verbunden sind die vielen Geräte über rund 150 Kilometer Netzwerkkabel, mehr als 700 Access-Points und weit über 800 Switches. Bei den meisten Switches handelt es sich um Access Switches, die sich auf sechs sogenannte Distribution Rooms verteilen – einer in jedem der sechs Brandabschnitte des Schiffs.



Von dort stellen die Access Switches eine Verbindung zu zwei Rechenzentren her, in denen mehrere Core-, Aggregation- und Distribution-Switches das Herz des Netzwerks bilden – und auch WLAN-Controller, Firewalls, Datenbankserver und Storage-Systeme laufen.



An das Internet angebunden ist das Schiffsnetzwerk über Satelliten, denn auf See operiert es meist außerhalb der Reichweite von Mobilfunknetzen. Zwar wird auch auf den Schiffen ein LTE-Netz bereitgestellt, doch dieses ist nicht direkt mit den Mobilfunknetzen an Land verbunden, sondern ebenfalls via Satellit. Zwei VSAT- und zwölf Starlink-Antennen sorgen für ausreichend Bandbreite und Redundanz, sodass das Internet an Bord möglichst nie ausfällt.



Ein SD-WAN bündelt die Verbindungen und optimiert die Auslastung. Es sorgt auch dafür, dass der Traffic von Services für den Schiffsbetrieb höchste Priorität genießt, und passt Download- und Upload-Bandbreiten dynamisch an, damit es beispielsweise keine Engpässe gibt, wenn nach einem Tagesausflug viele Passagiere ihre Fotos und Videos hochladen.



Fernzugriff über Umwege



Verwaltet wird das Netzwerk von einer kleinen IT-Crew an Bord. Sie kümmert sich um das administrative Tagesgeschäft und löst kleinere Netzwerkprobleme selbst. Bei größeren Störungen ist sie auf die Unterstützung von technischen Spezialisten an Land angewiesen, die nach Möglichkeit remote auf die betroffenen Geräte zugreifen.



Manchmal funktioniert das allerdings nicht, weil ein Port oder ein Teil des Netzwerks ausgefallen ist. In solchen Fällen musste die IT-Crew bislang die Rechenzentren oder Distribution Rooms aufsuchen, um ein Notebook mit dem Konsolen-Port des gestörten Geräts zu verbinden und dem Techniker über die Bildschirmfreigabe einen Zugriff zu ermöglichen. Manchmal war auch nur ein Troubleshooting via Telefon möglich.



Auch bei routinemäßigen Wartungsarbeiten wie dem Austausch eines Gerätes oder einem Firmware-Update war der Aufwand bislang hoch, da ein technischer Spezialist an Bord kommen und oft ein Stück mitreisen musste. Bei Einsätzen auf der ganzen Welt fielen dadurch hohe Reisekosten an. Zudem konnten hierdurch Passagierkabinen nicht mit Passagieren belegt werden.



Ein Wartungsnetz für Notfälle



Aus all diesen Gründen führte AIDA Cruises ein Out-of-Band-Management (OOB) ein. Dabei wird mit Konsolen-Servern ein separates Wartungsnetz aufgebaut, das selbst dann noch einen Zugriff auf alle Netzwerkgeräte ermöglicht, wenn das eigentliche Netzwerk ausgefallen ist. Externe Techniker haben somit jederzeit einen Zugang – der Umweg über Bildschirmfreigaben entfällt.



Auch auf ein neues, bereits angeschlossenes Gerät, das noch nicht konfiguriert wurde, besteht Konsolenzugriff über das Wartungsnetz, sodass es remote eingerichtet werden kann. Ein Techniker vor Ort wird nicht mehr benötigt.



Der Konsolenzugang über das Out-of-Band-Management ist die Versicherung, dass jederzeit aus der Ferne auf die Netzwerkgeräte zugegriffen werden kann. Das AIDA-Team hat so einen Zugang von jedem Ort der Welt und unabhängig davon, wo sich ein Schiff gerade befindet.



Automatische Konfiguration an Bord



Als erstes Schiff wurde im Frühjahr 2024 die AIDAluna mit einem Out-of-Band-Management, basierend auf Lösungen von Opengear, ausgerüstet. Die Devices können über die lokal nutzbare Lighthouse-Plattform zentral verwaltet werden, was die Inbetriebnahme, den Routinebetrieb und das Troubleshooting mit vielen Automatisierungsfunktionen erleichtert.



Binnen neun Monaten wurde dann der Rest der elf Schiffe umfassenden Flotte mit den Geräten bestückt, wobei jeweils ein Konsolenserver in jedem Rechenzentrum und jedem Distribution Room an Bord zum Einsatz kommt. Nach der Montage im Rack laden die Devices beim Booten eine vorbereitete Konfiguration von einem Flash-Drive und richten sich selbstständig ein. Wenn alle Kabel angeschlossen sind, ist der Vorgang für gewöhnlich beendet und der Konsolenserver einsatzbereit.



Remote-Updates ohne Risiko



Mithilfe des Out-of-Band-Managements konnte AIDA Cruises den Zeitaufwand für die Behebung von Netzwerkproblemen im Zusammenhang mit Switches um 90 Prozent reduzieren. Das bedeutet weniger Stress für die Crew und ein angenehmeres Reiseerlebnis für die Passagiere, weil Services wie der WLAN-Zugang oder das bargeldlose Bezahlen an Bord deutlich seltener und kürzer gestört sind.



Doch nicht nur das Troubleshooting auf hoher See wurde erheblich vereinfacht, sondern auch die Aktualisierung der Netzwerkgeräte. Bislang musste dazu immer ein externer IT-Dienstleister beauftragt werden, dessen Techniker dann hunderte oder tausende Switches und WLAN-Controller während einer Kreuzfahrt auf den neuesten Stand brachten.



Nun spielt das unternehmenseigene IT-Team die Updates für alle 64.000 Netzwerkgeräte der Flotte vollständig remote ein. In der Regel geschieht das zweimal pro Jahr – lediglich kritische Sicherheits-Updates werden außer der Reihe verteilt. Geht etwas schief, gibt es immer noch den Konsolenzugang, um ein Gerät zurückzusetzen und neu einzurichten.



Weil kein Dienstleister mehr für die Aktualisierung der Netzwerkgeräte beauftragt werden musste, haben sich die Investitionen in rund neun Monaten amortisiert. Gleichzeitig wurde damit eine Kabine an Bord für einen zahlenden Gast frei.



OOB-Management zu Land und zu See



Neben den elf Schiffen hat AIDA Cruises auch seine 17 Rechenzentren weltweit mit Out-of-Band-Management ausgestattet, um bei Netzwerkstörungen weiterhin auf die Netzwerkgeräte zugreifen zu können.



Generell hängt bei AIDA alles vom Netzwerk ab – das fängt bei der Buchung an. Bei der Ankunft im Terminal startet dann die Kreuzfahrt-Experience, weil Gäste bereits dort die Portale und Services nutzen können.



Mit dem Out-of-Band-Management wird das Netzwerk resilienter gemacht und sorgt für bestmögliche Erfahrungen. Auch die beiden in Bau befindlichen neuen Kreuzfahrtschiffe von AIDA Cruises, die voraussichtlich 2030 und 2032 auf Jungfernfahrt gehen, sollen Out-of-Band-Management erhalten. (mb)