Oracle baut Entwicklerstellen ab – und setzt stärker auf KI-Tools
width="2626" height="1477" sizes="auto, (max-width: 2626px) 100vw, 2626px">Oracle setzt künftig auf kleinere Entwickler-Teams und größere KI-Investitionen.Anatoliy Lukich | shutterstock.com
Oracle plant Entlassungen bei Softwareentwicklern, da das Unternehmen in eine neue Phase eintritt, in der KI ein integraler Bestandteil seines Produktportfolios ist. Der Konzern betont jedoch, dass dieser Schritt nicht auf eine sogenannte „SaaSpocalypse“ zurückzuführen sei – also die Sorge, dass neue KI-Anwendungen traditionelle SaaS-Angebote verdrängen. Vielmehr gehe es darum, interne Entwicklungsprozesse effizienter zu gestalten.
„KI-Tools und ihre Programmierfähigkeiten wären eine Bedrohung, wenn wir sie nicht einsetzen würden – aber wir tun es, und zwar sehr schnell“, erklärte Oracle-Co-CEO Mike Sicilia bei der Vorstellung der Quartalsergebnisse. „Oracle nutzt die besten KI-Coding-Tools zusammen mit den besten Entwicklern, um unser SaaS-Geschäft zu beschleunigen und Lösungen zu liefern, die ganze Ökosysteme in vielen Branchen unterstützen.“
Erhebliche Stellenstreichungen möglich
Gleichzeitig machte das Unternehmen aber deutlich, dass es im Zuge dieser Umstellung zu erheblichen Stellenstreichungen kommen könnte. Bereits Ende Januar hatte die Investmentbank TD Cowen prognostiziert, dass Oracle möglicherweise bis zu 30.000 Arbeitsplätze abbauen könnte, um den Ausbau seiner Rechenzentren zu finanzieren.
Oracle selbst hatte einige Monate zuvor in einem Finanzbericht Restrukturierungskosten von 1,6 Milliarden Dollar angekündigt, die vor allem mit Abfindungen und Vertragskündigungen zusammenhängen.
Im aktuellen Quartal nahm das Unternehmen zudem weitere 50 Milliarden Dollar Schulden auf, um neue Rechenzentren zu finanzieren, die als Grundlage für KI-Innovationen dienen sollen.
Änderungen für Kunden wahrscheinlich
Kunden sollten sich auf Veränderungen in Oracles Strategie einstellen, warnt Sanchit Vir Gogia, CEO des Analystenhauses Greyhound Research.
Oracle befinde sich derzeit mitten in einer kapitalintensiven Infrastrukturphase, die mit dem Ausbau von KI-Rechenzentren verbunden sei, so Gogia. „Wenn ein Anbieter Zehntausende Millionen Dollar in eine neue Wachstumsplattform investiert, werden andere Teile des Portfolios häufig optimiert. Das zeigt sich etwa durch Umstrukturierungen im Personalbereich und eine stärkere Priorisierung der Produkt-Roadmap.“
Oracle selbst betont, dass Kunden von diesen Veränderungen nicht negativ betroffen sein werden. „Der Einsatz von KI-Coding-Tools ermöglicht es kleineren Entwicklerteams, unseren Kunden schneller umfassendere Lösungen bereitzustellen“, so Sicilia. „Wir entwickeln neue SaaS-Produkte mit KI und integrieren gleichzeitig KI-Agenten direkt in bestehende Anwendungen und Suiten.“
Strategischer Kurswechsel
Kunden sollten die Umstrukturierung daher eher als strategischen Richtungswechsel, denn als reine Sparmaßnahme verstehen, findet Gogia. Die jüngsten Geschäftszahlen zeigten, dass Oracles Wachstum inzwischen stark von Cloud- und KI-Angeboten getragen wird.
Diese Verschiebung ist laut Gogia entscheidend, weil sie zeigt, worauf sich das Management von Oracle in den kommenden Jahren konzentrieren wird, wo Kapital investiert wird und wo die Ressourcen im Bereich Engineering hingehen.
Doch was bedeutet dies für die Kunden von Oracle? Scott Bickley, Advisory Fellow bei Info-Tech Research Group, sieht eine klare Entwicklung: „Die Support-Basis von Oracle stagniert, was darauf hindeutet, dass Kunden ihre alten Plattformen verlassen und zu Cloud-Lösungen wechseln – teils zu Oracle, teils zu anderen Anbietern.“
Oracle konzentriere sich daher zu Recht stärker auf KI-Infrastruktur als Wachstumstreiber, befindet er. Gleichzeitig nutze der Konzern KI, um seine eigene Software effizienter zu entwickeln.
Gogia fügt hinzu, dass Kunden einige Veränderungen bemerken würden, diese jedoch nur sehr langsam vonstattengingen. „Das unmittelbare Risiko besteht nicht darin, dass Oracle-Produkte plötzlich schlechter werden. Unternehmensplattformen mit großer installierter Basis verschwinden selten über Nacht“, so der Analyst.
Realistischer ist für ihn eine allmähliche Veränderung der Innovationsgeschwindigkeit: Einige Produktbereiche könnten schneller weiterentwickelt werden, während andere weniger Updates oder längere Release-Zyklen erhielten.
Unternehmen, die stark auf Oracle-Datenbanken, Unternehmensanwendungen oder Middleware setzen, sollten daher genau beobachten, ob diese Produkte weiterhin zu den strategischen Prioritäten auf Oracles langfristiger Roadmap gehören.
Risiken im Support
Sein Branchenkollege Bickley empfiehlt Oracle-Kunden außerdem, ihre Vertragsstrategien anzupassen. „Oracle-Kunden sollten Verträge über mehrere Jahre abschließen, da das aktuelle Softwareumfeld stark inflationär ist und die Preise steigen, um diese KI-Investitionen zu finanzieren.“, erklärt er.
Seine These:„ERP könnte bald als Basistechnologie betrachtet werden, während branchenspezifische Differenzierung durch KI rund um diesen Kern entsteht. Das wird die Geschäftsmodelle in Richtung nutzungsbasierter Abrechnung verschieben, was wiederum eine konsequente FinOps-Steuerung erfordert, um die Kosten effektiv zu kontrollieren.“
Gogia warnt zudem vor einer möglichen Folge der geplanten Stellenstreichungen: „Kunden sollten die Kontinuität von Support und Engineering genau beobachten. Wenn erfahrene Entwickler während Umstrukturierungsphasen gehen, verlieren Unternehmen mitunter wichtiges institutionelles Wissen über Altsysteme.“
Enterprise-Softwareumgebungen seien komplex und tief in Geschäftsprozesse integriert, erklärt der Analyst. KI-Tools zum Programmieren könnten zwar unterstützen, ersetzten aber nicht automatisch jahrelange Produktkenntnis oder architektonische Erfahrung. (mb)
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