Siemens trotzt Krise: KI steuert autonome Fabrik
Visualisierung der geplanten KI-basierten Smart Factory in Amberg.
Siemens AG
Während in Deutschland das Schreckgespenst der Deindustrialisierung und Unternehmensinsolvenzen grassiert – stellt sich der Siemens Konzern in Amberg dem negativen Trend entgegen. Bis 2030 wollen die Münchner in der Stadt, die zur Metropolregion Nürnberg zählt, eine autonome, KI-gesteuerte Fabrik aufbauen. Digitale Zwillinge, humanoide Roboter etc. sollen die Produktion von Elektronikkomponenten flexibler und nachhaltiger gestalten.
Das neue Werk in Amberg ist eine Blaupause für die industrielle Produktion des nächsten Jahrzehnts. Siemens hat angekündigt, mehr als 200 Millionen Euro in einen hochmodernen Neubau zu investieren, der herkömmliche Fertigungsprinzipien hinter sich lässt.
Planung im virtuellen Raum mit Digital Twin
Bis zum Jahr 2030 soll an dem Traditionsstandort (Siemens betreibt dort bereits zwei Werke sowie zwei Entwicklungsstandorte) eine Fabrik entstehen, die nicht nur digitalisiert, sondern durch den massiven Einsatz von Künstlicher Intelligenz weitgehend autonom agiert. Bevor der erste Stein in Amberg bewegt wird, existiert die Fabrik bereits in jedem Detail digital. So nutzt Siemens konsequent Digitale Zwillinge, um das komplette Werk – von der Architektur über die einzelnen Maschinen bis hin zu den komplexen Logistikpfaden – vorab zu simulieren.
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Ein entscheidendes Werkzeug bei der Planung ist der konzerneigene Digital Twin Composer. Das Tool fungiert als Integrationsplattform, um die verschiedenen spezialisierten Digitalen Zwillinge zu einem konsistenten Gesamtmodell zusammenzuführen. Mit Hilfe der Digital Twins können Ingenieure unterschiedliche Produktionsszenarien virtuell durchspielen, Engpässe identifizieren und die Effizienz optimieren, noch bevor die physische Hardware installiert wird.
Mit KI zur selbstlernenden Fabrik
Herzstück der neuen Fertigung ist Industrial AI. Im Gegensatz zu starren Automatisierungsketten soll in Amberg eine selbstlernende und autonome Produktion entstehen. Dazu wird das System kontinuierlich mit Echtzeitdaten gespeist, die direkt aus der laufenden Fertigung, der Materialwirtschaft und der Anlagensteuerung stammen.
Die KI übernimmt dabei die Rolle eines digitalen Dirigenten: Sie stimmt Auftragsplanung, Materialtransport und Anlagensteuerung in Millisekunden aufeinander ab. Und sie optimiert die Abläufe laufend selbstständig. Ziel ist es, die Flexibilität so weit zu steigern, dass das Werk extrem schnell auf schwankende Marktanforderungen reagieren kann.
Humanoide Roboter
Auch bei der physischen Automatisierung setzt Siemens auf neue Technologien. So soll die Logistik innerhalb des Werks vollautomatisiert ablaufen, wobei eine Kombination aus fahrerlosen Transportsystemen und humanoiden Robotern zum Einsatz kommt. Diese Roboter sind so konzipiert, dass sie flexibel in der Fabrik arbeiten können. Auf Humanoide setzen hierzulande, wie berichtet, auch BMW und Mercedes-Benz.
Da in Amberg künftig verstärkt elektronische High-Tech-Produkte wie Schalt-, Schutz- und Überwachungsgeräte gefertigt werden sollen, ist ein hochmoderner Reinraum integraler Bestandteil des Neubaus. Damir soll das Werk als weltweites Vorbild für die Elektronikfertigung dienen.
Mitarbeiter in der Transformation
Trotz des hohen Automatisierungsgrades will Siemens die etwa 2.400 Mitarbeitenden des Geschäftsbereichs Smart Infrastructure aktiv in den digitalen Wandel einbinden. So plant das Unternehmen umfassende Weiterbildungsprogramme für die Beschäftigten. Auf diese Weise will man sie auf ihre neuen Aufgaben in der digitalisierten Umgebung vorbereiten. So sollen sie künftig eher als Systemüberwacher und KI-Moderatoren agieren, denn als klassische Fließbandarbeiter.
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