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Gaspreise: Warum nach den Angriffen auf den Iran die nächste Krise droht
Die Zeichen stehen wieder auf Krise: Am Dienstag sind die Großhandelspreise für Erdgas den zweiten Tag in Folge massiv gestiegen. Gegen Mittag kostet…
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Fakten
- Die Zeichen stehen wieder auf Krise: Am Dienstag sind die Großhandelspreise für Erdgas den zweiten Tag in Folge massiv gestiegen.
- Gegen Mittag kostete auf der europäischen Handelsplattform TTF eine Megawattstunde 65 Euro – was einer Verdopplung im Vergleich zum Ende der vorigen Woche entspricht und den höchsten Wert seit Anfang 2023 markiert.
- Die iranischen Revolutionsgarden drohen als Vergeltung für die Angriffe auf ihr Land, jedes Schiff zu beschießen, das versucht, die Meerenge zu passieren.
- In Katar ein wichtigstes LNG-Terminal nach einem iranischen Drohnenangriff vorübergehend stillgelegt worden ist.
- Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat nun einen Mechanismus aus der Zeit der Energiekrise reaktiviert: Eine Taskforce soll die Lage mehrmals am Tag analysieren.
- Die EU-Kommission richtete einen Krisenstab ein – mit der Aufgabe, Reaktionen auf die rasant steigenden Energiepreise zu planen.
- In Asien gibt es bereits Lieferprobleme. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete am Dienstag, dass Indien – ein Großkunde von LNG aus Katar – mit der Rationierung von Erdgas begonnen habe.
- Taiwan, Bangladesch und Pakistan sind unmittelbar betroffen und brauchen enorme Mengen an Methan, weil sie damit einen Großteil ihrer Stromerzeugung bestreiten.
- Die Verschiebungen der Nachfrage machen sich auch auf dem europäischen Markt bemerkbar. Denn der Brennstoff aus den Vereinigten Staaten hat in der EU einen Marktanteil von knapp 60 Prozent am importierten LNG.
- An den deutschen Terminals wird sogar fast ausschließlich verflüssigtes US-Methan angelandet – eine Analyse der Deutschen Umwelthilfe ermittelte einen Anteil von 96 Prozent für 2025.
- An den längfristig orientierten Terminmärkten ist aktuell überdies bemerkenswert, dass die Preise zur Lieferung im Sommer – trotz geringerer Nachfrage – höher sind als für den Winter 2026/27, wenn es einen hohen Bedarf geben wird.
- Der Grund für die scheinbar verkehrte Welt: Händler gehen davon aus, dass Energieunternehmen in den kommenden Wochen und Monaten emsig bestellen müssen.
- Die Füllstände europäischer Gasspeicher sind niedrig und müssen für die nächste kalte Jahreszeit wieder hochgefahren werden.
- Doch die aktuellen Preiskurven bergen die Gefahr, dass im Winter beim Ausspeichern des Gases Verluste anfallen.
- Diese Konstellation wird nach Wyenos Einschätzung zu erheblichen Schwankungen bei den Gasnotierungen führen, weil Marktteilnehmer für ihre Beschaffungsstrategien komplexe Abwägungen treffen müssen.
- Zumal ein panikartiges Auffüllen der Speicher die Preise massiv in die Höhe treiben kann.
- So geschehen bereits im Sommer 2022, als viele EU-Staaten die Anweisung gaben, so viel Gas wie möglich für die Winterreserve zu kaufen.
- Das war ein wesentlicher Faktor für den Anstieg der Preise auf mehr als 300 Euro pro Megawattstunde.
- Bei der Frage nach den Auswirkungen für die Verbraucher wird indes vor allem auf die Dauer des Konflikts verwiesen.
- Experten von Bloomberg Economics nehmen an, dass sich in den kommenden vier Wochen entscheidet, wie die Folgen für die europäischen Volkswirtschaften ausfallen.
- Das Szenario im ungünstigen Fall: steigende Energiepreise, die die Produktion der Industrie drücken, die Inflation hochtreiben und Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank erzwingen.
- Vielleicht klärt sich die Lage aber auch kurzfristig: Übereinstimmenden Medienberichten zufolge soll die chinesische Regierung bei den iranischen Machthabern darauf dringen, die Durchfahrt der Straße von Hormus wieder zu ermöglichen.
- China ist ein wichtiger Partner des Mullah-Regimes und der mit Abstand größte Importeur von LNG weltweit.
- Etwa ein Viertel davon kommt aus Katar.