None

Darum scheitert Marketing an Entwicklern

Entwickler sind mit Buzzword-intensiven Vorträgen zu neuen Features und Produkten eher nicht zu begeistern.DC Studio | shutterstock.com



Vor etlichen Jahren war der Markt für Entwickler-Tools eher überschaubar. Das Angebot umfasste hauptsächlich Compiler, Debugger und IDEs. Als dann die visuelle Softwareentwicklung aufkam, gesellten sich Komponenten-Sets hinzu – dennoch uferte der Markt nicht aus und das Marketing war vor allem unkompliziert. Heute sieht das alles völlig anders aus: Das Web und die Cloud haben inzwischen dazu beigetragen, dass das Angebot an Developer-Werkzeugen explosionsartig gewachsen ist. Und: Die Welt der Softwareentwicklung ist deutlich komplexer geworden. Früher war ein Deployment nicht mehr als kompilieren, auf eine Floppy-Disc packen und ab zum Kunden. Das ist lange passé.



Angesichts der Größe, die der Markt für Entwickler-Lösungen inzwischen erlangt hat, geht es auch um viel Geld. Und um das einzunehmen, müssen die Anbieter der Tools – beziehungsweise deren Marketing-Abteilungen – die Aufmerksamkeit der Entwickler auf ihre Produkte lenken. Dabei gibt es nur ein “kleines” Problem: Developer verweigern sich in aller Regel Marketing- und PR-Offensiven. In diesem Artikel werfen wir einen Blick darauf, warum sich das so verhält – und wie Anbieter und Marketing-Experten die Entwickler erreichen könnten.



Warum Entwickler nicht auf Marketing-Geschwätz stehen



Die Gründe für die Abneigung von Entwicklern gegenüber Werbearien hat diverse Gründe. Diese vier gehören zu den stichhaltigsten.




Die Benutzer von Dev-Tools sind in der Regel nicht diejenigen, die Budgets managen – sondern ihre Vorgesetzten. Bei einigen Entwicklungsteams werden die Tools von oben vorgegeben. Andere (meist glücklichere) Teams können dem Management diesbezüglich ihre Empfehlungen unterbreiten. Aber am Ende unterschreiben die Entwickler nicht den Scheck.



Entwickler stehen Hype in jeglicher Form meistens kritisch gegenüber. Wenn Sie es also darauf anlegen wollen, dass Ihr Tool von vornherein durchgängig abgelehnt wird, werfen Sie mit Superlativen um sich. Oder behaupten Sie, dass Ihr Produkt sämtliche Bugs in jeder Software beseitigt. Entwickler lassen sich von Buzzwords nicht blenden – das überlassen sie lieber ihren Managern.



Entwickler geben mehr auf die Empfehlungen von Kollegen als der von Werbefachleuten. Wenn Devs von einem neuen Tool hören, suchen sie in der Regel eher auf Reddit oder anderen einschlägigen Foren nach Einschätzungen als auf der Webseite eines Herstellers. Das hat zur Folge, dass traditionelle Marketingkampagnen bei Entwicklern eher ins Leere laufen. Wenn Sie jetzt als Anbieter gerade darüber nachdenken, ihr Produkt einfach dort entsprechend zu “platzieren”, dürfen Sie schneller mit einem Lifetime-Bann rechnen als Mark Zuckerberg auf einer beliebigen Datenschutzkonferenz.



Entwickler wollen sehen, wie die Dinge in der Praxis performen – nicht mit Marketing-Pitches gelangweilt werden. Auch nicht, wenn der die Gestalt eines “Whitepaper” annimmt. So etwas wird sich kein Dev zweimal ansehen. Kommen Sie besser erst gar nicht auf die Idee, ein Verkaufsgespräch mit einem Entwickler-Team anzuberaumen. Das ist reine Zeitverschwendung.




Was für Developer bei Tools wirklich zählt



Was Entwickler wirklich wollen, ist selbst zu recherchieren, selbst auszuprobieren und sich in Eigenregie mit der Dokumentation eines Tools beschäftigen. Eine Webseite für Entwickler-Tools sollte darauf optimiert sein und es möglichst einfach machen, schnell die Informationen zu finden auf die es für Entwickler ankommt. Sie können wochenlang an PR-Botschaften auf Ihrer Produkt-Seite laborieren – die Augen von Entwicklern werden sich dennoch auf die kostenlose Testversion Ihrer Anwendung und die Dokumentation richten. Machen Sie diese Dinge leicht zugänglich und Sie sind der Konkurrenz einen Schritt voraus.



Ein Menüpunkt auf der Seite, der sich dediziert an Developer richtet und Quicklinks zu Sandbox-Umgebungen, funktionierenden Code-Demos, die Ihr Tool in Aktion zeigen, sowie kostenlosen APIs bietet, ist das, was Entwickler wirklich suchen. Empfehlenswert ist außerdem, das Preisgefüge klar und deutlich sichtbar zu machen. Hinweise wie “Kontaktieren Sie unser Experten-Team für ein persönliches Angebo”“ haben in der Regel schon verloren. Die einzige Botschaft, die das an Entwickler sendet, ist “das wird teuer”. Kurzum: Geben Sie Entwicklern, was diese wirklich wollen. Lassen Sie sie in Ruhe Ihr Tool austesten, statt sie mit Anrufen und Webinar-Anfragen zu penetrieren. Setzen Sie auf einfache, simple und leicht zugängliche Botschaften. Der Rest ergibt sich dann von selbst – falls Ihr Tool Developer wirklich weiterbringt. (fm)



Dieser Artikel ist im Original bei unserer Schwesterpublikation Infoworld.com erschienen.